Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1895)
- Article
- Zur Geschichte des jüdischen Friedhofs in Teschen
- Date
- 1895-10-01
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
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Zur Geschichte des jüdischen Friedhofs in Tesohen. 39 kommen konnte, hat durch Strich oder Punkt aber den! ״D" eine Y erdoppelung dieses Buchstaben aus drücken wollen. Es ist dem״ nach z, B. Mp שנת תקכ״ב שכת, was nicht der Zahl 1362, sondern der Zahl 1762 entspricht. Die betreffenden Grabsteine sind also nicht alten, sondern neueren Ursprunges. Die von der Singer’schen Familie errichteten Grabsteine, welche aus der Mitte des 17. Jahrhunderts herrühren, waren demnach viel älter als die fraglichen sechs Steine, die somit ohne Frage erst aus dem 18. Jahrhundert stammen. Unserer Ansicht entspricht in der That auch die Geschichte des jüd. Friedhofs in Teschen. Die Herzogin Elisabeth Lucretia hat ihrem Mautimer, dem Juden Jacob Singer, im Jahre 1640 zu allererst die Ermächtigung ertkeilt, auf dem Winohrad bei Teschen (das ־ist die Stätte des heutigen noch gebrauchten Friedhofes) für sich, seine Familie und seine bedien steten Glaubensgenossen eine Begräbnisstätte zu errichten 1). Dieser Friedhof ging am 28. Februar 1785 aus dem Privatbesitz des in Teschen privilegirten und tolerirten Juden Moises Hirschei-) um die Kaufsumme von 900 11. (rheinisch) in das Eigenthum der im Teschener Kreise wohnhaften 88 tolerirten Judenfamilien über3). Aus der Geschichte der Singer’schen Familie in Teschen4) geht mit Sicherheit hervor, nicht nur dass vor dem Jahre 1640 von einem jüdischen Friedhof in Teschen keine Bede sein kann, sondern auch, dass vor dem 16. Jahrhundert daselbst keine Juden gewohnt haben. Der Jude Markus soll überhaupt der erste und damals einzige gewesen sein, welcher vom Herzog Wenzel im Jahre 1575 die Bewilligung erhielt, sieh in Teschen niederzulassen und ein Haus käuflich an sich zu bringen. Die Teschener Landesordnung welche uns diese Daten liefert, thut der Juden erst gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts Erwähnung. Aus alledem geht mit Sicherheit hervor, dass keinerlei Anhaltspunkt für die Annahme, es habe im 14. Jahr-!) Vgl. die Teschener Landesordnung vom Jahre 1573; das Stadtbuch in Teschen vom Jahre 1683 und die Piivilegiumsurkunde der Familie Singer d. d. 14. Mai 1661 (im Besitze des Herrn Adolf Tugendhat in Teschen) unterfertigt von Kaiser Leopold. 2) Heber Moises Hirschei vgl. die Privilegiumsurkunde von Kaiser Josef II., d. d. 11. December 1781 (im Besitze des Herrn Adolf Tugendbat). 3) Vgl. Peter a. a. 0. S. 121; Biermann a. a. 0. S. 284 Anm. 2 und die Jahrbücher der Chewra Kadischa in Teschen. 4) Vgl. auch Br an n, Geschichte des Landrabbinats in Schlesien, Graetz’sche Jübelschrift Breslau 1887 S. 220, n. 2.