Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Schuldennoth der Gemeinde Posen während des Rabbinates R. Isak b. Abrahams (1668-1685)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 17)
- Language
- German
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44 Die Schuldennoth der Gemeinde Posen. In der handschriftlichen. Sammlung seiner Briefe, Gedichte und kleineren Schriften, die ich besitze, hat er mit eigener Hand die Briefe eingetragen, mit denen er die Posener Sendlinge an seinen kabbalistisch geschulten Freund, den Rabbiner yoa Reggio, Benjamin b. Blieser Cohen1), wie an alle Orte Italiens, die sie aufsuchten, empfahl, wie auch den Brief, den er an R. Isaac b. Abraham richtete, um mit der Noth der Zeit es zu entschuldigen, wenn der Erfolg der Sammlungen hinter seinen Erwartungen Zurückbleiben würde. Diese Meister״ leistungen eines in fast unglaublicher Reimfülle schwelgenden hebräischen Husivstiles sind die einzigen Denkmale, die als Zeugnisse jener schweren Leidenzeit der Gemeinde Posen bis־ her zu Tage gekommen sind 2). Mit dem Briefe aus der Heimat, ihrer eigentlichen Beglaubigungsurkunde, und der Empfehlung des Freundes ihrer Gemeinde, R. Mose Zacut, zogen die Boten durch Italien, um das Herz der so viel in Anspruch genommenen, aber niemals ihre Hülfe versagenden Glaubensbrüder zur Beisteuer für das Rettungswerk zu entzünden. Hach Deutschland, nach Böhmen und Italien3) waren die Sendboten ausgezogen, von deren Erfolgen die Zukunft der Gemeinde abhieng. Sie waren nicht unverichteter Sache heimgekehrt. Man hatte eine besondere Commission eingesetzt, die über die Verwendung der eingeflossenen Gelder beratben sollte. Isak b. Abraham und die vier Beisitzer seines Rabbinates bildeten mit zwei Vorstehern die Mitglieder dieser siebengliedrigen Commission. Es galt vor Allem, die Bestimmung zu treffen, dass man bei der Neubesteuerung auf diese Eingange keine Rücksicht nehme, weil dann die Reichen weniger Abgaben zu leisten hätten und so ungebührlicher "Weise an dem Ertrag der Sammlungen Theil nehmen würden4). Die Gemeinde hatte zum Aeussersten gegriffen, ehe sie zu dieser Maassregel, der Anrufung der öffentlichen Mildthätigkeit, ihre Zuflucht zu nehmen sich entschloss. Man hatte die Kleinodien des Gottesdienstes verpfändet, um nur die Schulden zu zahlen. So war einer der kostbarsten Vorhänge der Gesetzeslade bei Samuel Kalisch, der mit einem Darlehen der Gemeinde zu Hülfe gekommen war, als Pfand in Verwahrung. נ) Den Adressaten des Briefes Anhang 5. erfahren wir אגרות רמץ No. BO. Ygl. über ihn Asnlai a. a. 0. I יח No. 13, Zunz, Literaturgeschichte 447. 2) S. Anhang 5—7. 3) Perles a. a. 0. 61, n. 1 und Anhang 3. 4O So verstehe ich die Bestimmungen in Anhang 3.