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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1894-01-01 · Heft 1 · p. Seite 21

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 1
Article
Das Zehnstämmereich in der Geschichtsvision des Henochbuches
Date
1894-01-01
Page
Seite 21 (sequence 11)
Language
German
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Das Zehnstämmereich in der Geschichtsvision. < 21 der Berufung der Hirten hervorziüieben, weil derselbe Gegenstand vielfacher Erörterungen war und eine Hebereinstimmung in Betreff dieses Punktes sich noch nicht herausgebildet hat1). Aufs Innigste hängt hiermit die Frage zusammen, wann die Thätigkeit der Hirten aufhört. Es wäre laut dem bisher Gesagten zu erwarten, dass, während dieselben in Mitten der in Assyrien weilenden Zehnstämme das Ausliefern der Schafe an die feindlichen Völker fortsetzen, ihre Yerderben bringende Hand zur Ruhe gelangt, sobald Judäa und der Tempel in Jerusalem neu erstanden sind. Dieser Erwartung entsprechen die Thatsachen nicht, denn von den Exulanten in Assyrien wird überhaupt nichts mehr gesagt, und in Judäa wirken die Hirten unter der persischen, macedonischen und syrischen Herrschaft bis zum Erscheinen des Messias fort. Wie ist diese anfallende Erscheinung zu erklären? Doch steht mit dieser eine andere, nicht minder grosse Schwierigkeit in Verbindung; Der Verfasser des Henochbuches erklärt ausdrücklich, dass alle Opfer, die auf den Altar des zweiten Tempels gelegt wurden, unrein gewesen seien (89, 73), und dass Gott in der messianischen Zeit dieses Gebäude ganz entfernen und statt desselben ein neues aufführen werde (90, 20). Der Verfasser versäumt es jedoch, den Grund dieser in der palästinensischen Litteratur einzig dastehenden Meinung anzugeben. Was Lucius2׳) über seinen Standpunkt sagt, hat in dem Wortlaute der Vision keine Stütze. Man hat es verabsäumt, zu vergleichen, in weichem Zusammenhange der Bau des zweiten, vom Verfasser für von Gott verworfen gehaltenen Tempels und des einst zu errichtenden Heiligthumes erzählt wird. Prüfen wir nämlich, womit Henoch das von Mose aufgeführte Stiftszelt und den Tempel Salomos, beide solche Stätten, die Gott mit seiner Anwesenheit auszeichnet, charakterisirt, so sehen wir in Vers 36: ,,Jenes Schaf wurde ein Mann (== Moses) und baute dem Herrn der Schafe ein Haus und liess in jenem Hause alle Schafe stehen; desgleichen in Vers 50: und jenes Haus (das von Salomo gebaute) war gross und weit, und es wurde jenen Schafen ein hoher Thurm über jenem Hause für den Herrn der Schafe gebaut, und jenes Haus war niedrig, der Thurm aber war erhaben und hoch.“ Nehmen wir noch die Eigenschaften des von Gott selbst aufzuführenden Tempels der messianischen Zeit in Betracht, die in 90, 29 aufgezählt werden: ״Und ich sah den 0 Gebhardt in Msrx7 Archiv II, 164; Schürer, Geschichte II, 623. 2) Der Essenismus, Seite 111.

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