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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1894-01-01 · Heft 1 · p. Seite 20

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 1
Article
Das Zehnstämmereich in der Geschichtsvision des Henochbuches
Date
1894-01-01
Page
Seite 20 (sequence 10)
Language
German
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20 Das Zehn stamm ereich in der Geschichtsvision. wilden Schweinen daran gehindert wurden, deutlich genug, dass nicht von drei Personen gesprochen wird. Baut ja das ganze, aus drei Stämmen bestehende Volk den Tempel (Esra IV, lff.) und es klänge doch eigenthümlich, wenn der Satz erzählen sollte, dass ein feindliches Volk drei Personen am Baue hindert;־ da ja auch die Führer der Samaritaner dem Namen und der Zahl nach bekannt sind (Esra IV, 7), hätte der Verfasser genau angeben müssen, wie yiel wilde Schweine den drei Schafen gegenübertraten, wenn er unter diesen die Führer der Juden und nicht diese selbst gemeint hätte. Ich glaube, dass sich aus der ganzen Erörterung das sichere Ergebniss gewinnen liess, dass Henoch, dem Laufe der geschiehtliehen Ereignisse folgend, erst die Geschichte des Zehnstämme־ reiches in gedrängter Uebersicht darstellt und dessen Untergang schildert, dann, den durch diese Beschreibung zerrissenen Faden der Geschichte Juda’s aufnehmend, dessen Verirrungen und Leiden, die Zerstörung seines Tempels, das Exil und zum Schlüsse die Wiederherstellung des Landes yorftihrt. Es ermangelt nur noch anzugeben, wo der dem Nordreiche gewidmete Theil in der nicht erkennbar genug geschiedenen Schilderung endigt. Ein äusseres Merkmal, die eine neue Wendung der Vision bezeichnende Phrase: ״und ich sah,“ giebt Vers 64 als den Schluss des auf Samarien bezüglichen Stückes und Vers 65 als den Uebergang zu Juda an. Diese durch einen Ausdruck gebotene Scheidung bestätigt auch der Inhalt; wir haben nämlich gesehen, dass die Zerstörung der beiden Reiche in zwei fast gleichlautenden, in allen Einzelheiten übereinstimmenden Schilderungen vorgeführt wird. Da nun Vers 65 mit dem Weiden der Hirten beginnt, der an Vers 59 seine Paralleie hat, so kann Vers 65 nicht mehr zum Vorhergehenden gehören. Andererseits schliesst der in Vers 59 begonnene Auftrag Gottes an die Hirten und den Schreiber erst in Vers 64, so dass nur dieser das Ende des dem Nordreiche gewidmeten Stückes sein kann. Zum Schlüsse muss ich noch auf ein Ergebniss unserer Untersuchung hinweisen, zu dem wir mittelbar gelangt sind; wenn es nämlich feststeht, dass Vers 51—64 vom Zehnstämmereiche und Vers 58 yon dessen Vernichtung durch Salmanassar spricht, so fängt die Wirksamkeit der siebzig berufenen Hirten, die zu Israels Aufreibung bestimmt sind, in dem Augenblicke an, ־wo Samarien zerstört wird und die Zehnstämme in die assyrische Gefangenschaft geführt werden. Es ist nothwendig, diesen aus der ganzen Betrachtung sich yon selbst ergebenden Zeitpunkt

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