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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1894-01-01 · Heft 1 · p. Seite 17

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 1
Article
Das Zehnstämmereich in der Geschichtsvision des Henochbuches
Date
1894-01-01
Page
Seite 17 (sequence 7)
Language
German
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Das ZeLmstämmereich in der Geschichtsvision. 17 von Yers 59—65 mit allen ihren grossen und kleinen Zügen: auch dort werden Hirten bestellt, die Schafe nach Zahl übergeben; die Hirten versündigen sich, indem sie mehr, als ihnen aufgetragen wurde, ausliefern, was ebenfalls in ein Buch eingetragen wird; auch dort klagt Henoch, so dass nicht ein einziger Zug zur vollen Gleichheit der beiden Bilder fehlt. Da nun im zweiten Falle ausdrücklich von der Auflösung des Reiches Juda und der Zerstörung Jerusalems gesprochen wird und in der eben dargestellten Weise die Folgen derselben geschildert werden, so ergiebt sich, dass die erste, mit dieser völlig übereinstimmende Beschreibung ebenfalls auf die Yerheerung einesReiches and dieYernichtung seiner Hauptstadt sich beziehen muss; dass Samarien und das Zehnstämmereich gemeint ist, haben wir bereits gesagt. Ich muss noch eine, betreffs ihr Beweiskraft nicht zu unterschätzende Ueberein- Stimmung beider Schilderungen hervorheben, die wegen ihrer negativen Natur umso beachtenswerther erscheint. Es ist nämlich nach der Zerstörung Jerusalems auch nicht mit einem Worte Dessen gedacht, dass die Bewohner Juda’s in die Gefangenschaft geführt wurden, dagegen ausdrücklich die Rückkehr der drei Schafe nach Palästina gemeldet; Henoch sagt nur (Yers 67), dass er nicht mehr sehen konnte, ob die Schafe zu jenem Hause eingingen, obgleich er doch in der Lage war, mit Gewissheit hinzuzufügen, dass sie es nicht mehr thaten. Sollte die babylonische Gefangenschaft gar nicht erwähnt sein? Doch wollen wir erst betonen, dass auch die Entführung der Zehnstämme in das assyrische Exil mit keiner Silbe erwähnt wird, während doch die Bibel sogar die Städte ihrer Ansiedlung aufzählt; es wird uns jetzt, da wir dieselbe auffallende That- Sache bei dem Südreiche beobachten konnten, wo wir deren Erwähnung neben der ausführlichen Schilderung der Zerstörung mit Recht erwarten durften, diese Lücke nicht als Einwurf gegen unsere Deutung der ganzen Stelle auf das Nordreich entgegen gehalten werden können. Steht es nun auf Grund dieser Beweise fest, dass der Verfasser des Henochbuches im Vers 51—64 die Geschichte des Zehnstämmereiches zu geben beabsichtigte, so wird es nicht schwer, genau zu bestimmen, wen er unter den drei aus dem Exile zurückkehrenden Schafen meinte. Das Buch, welches über die während der Exilszeit unrechtmässig hiugeschlachteten Schafe geführt wurde, wird in dem Augenblicke geschlossen und versiegelt, als die babylonische Gefangenschaft ihr Ende erreicht (Yers 71). Doch was geschieht mit den entsprechen- Monatsschrift. 39. Jahrgang. 2

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