Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Zehnstämmereich in der Geschichtsvision des Henochbuches
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829668-2829670-2845088--26009-2845115- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das Zehnstämmereich in der Geschichtsvision. 15 Rücksicht darauf, dass das bisher gewonnene Ergebniss es ausschliesst, hier die Tempelreinigung Josia’s in Juda geschildert zu sehen, — den Inhalt als einzige Grundlage unserer Betrachtung an und suchen wir nach der Bestätigung desselben in der Bibel. Da wir uns in der Zeit nach dem Tode Eiiah5s befinden, wird das Suchen leichter, und doch ist es schwer, wenn nicht unmöglich, in der Geschichte Juda’s ein Ereigniss beschrieben zu finden, dessen Schilderung die Worte ״wie er viele Niederlagen über sie brachte in ihren einzelnen Heerdenu sein sollten. Oder sollten etwa unter den Heerden die beiden getheilten Reiche gemeint sein, die abwechselnd von Feinden heimgesucht werden? Da der Verfasser von mehreren spricht, haben wir keine Veranlassung, dem Verse diese Deutung zu geben. Dagegen berechtigt und zwingt uns das Vorhergehende, welches sich uns als vom Zehnstämmereiche handelnd erwies, auch diesen Vers auf dasselbe zu beziehen. Nun ist uns in Wirklichkeit bekannt, dass Tiglath Pilessar, König von Assyrien, unter Pekach dem Nordreiche ein grosses Landgebiet entriss uiid die Bevölkerung desselben in Gefangenschaft führte (II Kon. XV, 29); das sind doch solche Niederlagen, von denen mit Recht gesagt werden kann, dass sie einzelne Heerden, das heisst Stämme, treffen. Und auch der zweite Theil des Verses, dass die Israeliten selbst die Niederlagen herbeiriefen, findet seine volle Bestätigung im Bibeltexte, denn wenige Jahre vorher stützt sich der König Menahem auf die Hilfe des assyrisehen Königs Phul und muss den Freundschaftsdienst theuer bezahlen (IIKön. XV, 19), eine Thatsache, die sich im Reiche Israels mehrere Mal wiederholte. Für diese Erklärung spricht auch der folgende Vers: ״Und er überliss sie in die Hände der Löwen und Tiger und Wölfe und Schakale und in die Hände der Füchse und aller ־wilden Thiere, und die wilden Thiere begannen jene Schafe zu zerreissen. Und ich sah, dass er jenes ihr Haus und ihren Thurm verliess und sie in die Hand der Löwen gab, um sie zu zerreissen und zu fressen, in die Hand aller wilden Thiere41. Der Satz, dass Gott den Tempel und die Stadt verlässt, bedeutet scheinbar auf den ersten Anblick die Zerstörung Jerusalems durch Nebuchadnezar, wie ihn in der That Hilgenfeld1) auffasst, ohne Berücksichtigung des Umstandes, dass von dieser Kata- Strophe erst in Vers 66 und, — was nicht unerwähnt bleiben darf, — in eigentlichen, nicht bildlichen Ausdrücken der Zerstörung!) Jüdische Apokalyptik, S. 118.