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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1894-01-01 · Heft 1 · p. Seite 13

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
39 (1894-1895)
Issue
Heft 1
Article
Das Zehnstämmereich in der Geschichtsvision des Henochbuches
Date
1894-01-01
Page
Seite 13 (sequence 3)
Language
German
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Das Zehnstämmereicii in der Geschichtsvision. 13 den Abfall der Nordstämme zu verstehen geneigt wäre. Oder sollte dieses nur den Tadel gegen den Wandel des Volkes Israel im Allgemeinen und nicht den thatsächlichen Abfall der Zehnstämme vom Heiligthum in Jerusalem, welcher die Folge der Eeichsspaltung war, bedeuten, von der aber Dillmann (Seite 263) behauptet,' dass dieselbe im Henochbuch gar nicht erwähnt sei? Ich glaube, dass diese Behauptung ungerechtfertigt ist und der Satz: ״Und ich sah wiedertim jene Schafe, wie sie abermals abirrten und auf vielerlei Wege gingen und jenes ihr Haus verliessen,ct verständlich genug auf die politisch und religiös sich lossagenden Nordstämme hinweist, und ich will nun den Nachweis führen, dass auch der Zusammenhang in der Vision dafür spricht. Schon der genannte Umstand, dass das Verlassen des Hauses unmittelbar auf den Einzug Gottes in den Tempel Salomo’s folgt, zeigt, dass wir hier an die Lossagung der Zehnstämme vom Hause Davids und von Jerusalem zu denken haben, die, wie gleich darauf erzählt ist, von Gott geahndet wird. Die Strafe wird erst durch diese Auffassung verständlieh; dagegen scheint die Annahme Gebhardt’s (a. a. 0. 189), der sich viele anschliessen, dass nämlich diese Verse als eine vorläufige Uebersickt gelten müssen, die nur ganz im Allgemeinen an die Unterdrückung Israels durch die Stiafvölker denken lassen, ohne dass eine speciellere Ausdeutung zulässig wäre, unhaltbar. Denn wie sollte ein Verfasser, der die Begebenheiten von Jahrhunderten in zwei Sätze zusammenfasst, erst eine allgemeine Uebersicht über einen Zeitraum, dann eine besondere Einzelbeschreibung desselben nebeneinanderstellen! Vielmehr bestätigt es auch der nächste Vers, dass hier nicht mehr von Juda, sondern vom Nordreiche gehandelt werde; derselbe lautet nämlich: ״Und der Herr der Schafe berief einige von den Schafen, und sandte sie zu den Schafen; die Schafe aber fingen an, sie zu tödten.“ Welchen Zuständen gilt dieser Vorwurf? Soweit unsere schriftlichen Quellen der Königszeit reichen, die allein auch dem Verfasser des Henochbuches als Grundlage seiner Darstellung der Geschichte dienten, erscheint der Vorwurf wegen Verfolgung und Tödtung der Propheten keinesfalls berechtigt, wenn gegen Juda gerichtet, dagegen wohl verständlich, wenn sich derselbe gegen Samarien kehrt, indem die Geschichte Eiiah5s von Hunderten der ermordeten Gottesmänner zu berichten weiss (I Kön. XVIII, 4; II Kön. IX, 7). Hätte demnach der folgende Vers auch nicht in unzweideutigen Worten von Eiiah

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