Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Zehnstämmereich in der Geschichtsvision des Henochbuches
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 2)
- Language
- German
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12 Das Zehnstämmereich in der Geschichtsvision. Ziehungen auf die Begebenheiten sind so deutlich, dass in der Erklärung derselben eine Meinungsverschiedenheit unter den: Auslegern völlig ausgeschlossen ־war. Doch theilten sich die Ansichten betreffs der Bedeutung der drei aus dem babylonischen Exile zurückkehrenden Schafe, da die Bibel nur von zwei Führern, von Serubb abel und Josua weiss. Dillmannf) schlug einfach vor, den Text hienach zu ändern und ,,zwei“ zu lesen oder den Propheten Kaggai hinzuzählen; dagegen entschied sich der grösste Theil der Ausleger für die Beibehaltung des von allen Handschriften gebotenen Textes, und sie nannten als dritten den fast 80 Jahre später als die beiden anderen wirkenden Esra oder Nehemia* 2), während Hilgenfeld3) einen Priester, namens Esra, der unter den Exulanten zurückkehrte, und den der Autor des Henochbuches wegen seines gleichlautenden Namens mit den! späteren Esra verwechselt haben soll, annimmt. Ich will noch die Ansicht Geb har dt’s erwähnen, der unter den drei Schafen drei Züge der Zurückkehrenden versteht, deren erster unter Serubbabel und Josua, der zweite unter Esra und der dritte unter Nehemia nach Palästina gelangte1). Das Unbefriedigende aller dieser Deutungen haben die Commentatoren selbst gefühlt und sich״.nur in Ermanglung einer besseren bei den genannten beruhigt. Es wird hiernach die Berechtigung zu einem neuen Erklärungsversuche wohl ausser Präge stehen, den ich schon deshalbunternehme, weil sich durch denselben zugleich der Schlüssel zur Lösung einer zweiten, nicht minder grossen Schwierigkeit darbietet. Es ist nämlich in der Geschichtsvision Henoch’s auffallend, dass auf das in der Geschichte Israels hochwichtige und folgenschwere Ereigniss der Beichsspaltung und auf die Lostrennung der Zehnstämme von Jerusalem keine Rücksicht genommen zu sein scheint, indem der Yerfasser in 89,. 52, 53 vom Propheten Eiiah, der bekanntermassen im Nordreiche wirkte, so spricht, als ob er dem noch ungetheilten Reiche angehörte. Andererseits wird unmittelbar nach der Schilderung des salomonischen Tempels (89, 51) von ״ dem Yolke gesagt, dass es das Haus des Herrn verlassen habe, worunter man 0 Das Buch Henoch, S. 270. 2) Lawrence bei Hoffmann, Das Buch Henoch, S. 740; Lücke, Einleitung in die Offenbarung des Johannes, 2. Auflage, S. 127; Hilgenfeld, Die jüdische Apokalyptik, S, 119; Gebhardt in Merx’ Archiv II, 165. 3) Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie, 1860, S. 323. D A. a. 0. S. 193.