Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die biblische Völkertafel im Talmud, Midrasch und Targum
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 Die biblische Yöfkertafel im Talmud, Midrasch und Targurn. 6) ותוניה Bithynia, eine Landsclisft in Klein-Asien. Bithynien und die nun folgenden Landschaften von Mysien und Thrakien gehören geographisch zusammen, und dies mag hei ihrer Wahl zur Deutung des biblischen Textes bestimmend eingewirkt haben. Jedes einzelne dieser Länder hat ausserdem noch eine kleine Lautähnlichkeit mit den biblischen Kamen, was wohl die nächste Veranlassung war, dieselben zu den biblischen Namen in Beziehung zu bringen. Bithynien wird in der Traditionslitteratur auch sonst häufig genannt, es wird zumeist unter den Namen BcJoviaxrj gebraucht und sodann fälschlich in בית אונייקי aufgelöst; diese Form haben wir oben (S. 2) auch im Babli gesehen. Warum in Lekach Tob plötzlich אנטלכיא Antiochien dafür auftritt, ist mir unerklärlich; in der Vorlage des Lekach Tob wird das Wort Bithynien durch Corruptelen derart unkenntlich gemacht worden sein, dass sich der Abschreiber genöthigt sah, unter Benützung der vorhandenen Buchstaben ein verständliches Wort zu bilden als solches bot sich ihm ״Antiochia“ dar. In der Zusammensetzung גבינת בית אונייקי bithynischer Käse ist, B10*0׳vcdbc7] ein Adjectivum. Ob aber ביתיני in Tosefta Schebiith VII, 14 (p. 71 Zuckermandel) ebenfalls ein von Bithynien gebildetes Adjectivum ist (Kohut I, 149a), ist sehr fraglich. 7) מופיא, Uebersetzung von משך, ist Mysia. Neben מוסיא weist unsere obige Tabelle auch Formen wie איפניא und אושינייא auf, offenbar nur verschrieben statt מופיא (vgl. Kohut I, 149 a* 1). מלפיא selbst aber muss mit aller Entschiedenheit festgehalten werden; der Vorschlag Harkavy’s (Die Juden und die slaw. Sprachen, S. 136) durch die Emendation in מרפכיא Moschia mit Septuaginta und Josephus (Möa^oi) eine Uebereinstimmung zu erzielen, ist unannehmbar, dadie agadische Auslegung, wie bereits erwähnt, römische Verhältnisse vor Augen hat und in der römischen Welt figuriren die Moa^ot nicht. Ebendarum müssen wir auch gegen alle bisherigen Ausleger die Behauptung aufstellen, dass mit מלפיא nicht Mysien in Kleinasien gemeint sei, sondern vielmehr Moesia (auf griechisch Mocca von der Völkerschaft Moaoc) in Europa an der unteren Donau (das heutige Bulgarien), da in der römischen Zeit nur dieser Landstrich als Provinz Moesia bekannt ist. in ein westliches und östliches Leich); wahrscheinlich stammt aber das Wort von שחק und ist zu übersetzen: und sie überhebt sich (mündliche Mittheilung meines verehrten Lehrers, Herrn Prof. D. Kaufmann). Dann muss אין in ואין emendirt werden. 1) Und nicht etwa Ausoniä, wie Kapoport will.