Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die biblische Völkertafel im Talmud, Midrasch und Targum
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 Die biblische Völkertafel im Talmud, Midrasch und Targum. handenen Anschauung1) auch der Targumist nur ein ״fernes Nordvolk“ gemeint haben könne, so ist dieser Schluss, wie schon oben gezeigt wurde, dahin zu ändern, dass beide Quellen zwar ein fernes, wildes, aber nicht gerade ein nordisches Yolk vor Augen haben. — Dagegen geht Cassel der Schwierigkeit, dass im Targum für תרשיש (Jerem. 10, 9) אפליקא gesetzt ist, mit der Bemerkung aus dem Wege, dass hier eine ״offenbare Verwechselung“ vorliege. Nun ist aber gerade dieser Umstand für die ganze Trage von entscheidender Wichtigkeit, da der Uebersetzer offenbar an die karthagischen Kauffahrteischiffe gedacht hat, wenn er unter Tharschisch Afrika verstanden wissen will. In j. Ber&gh. IX, 13 c (vgl. b. Rösch hasch 26b) werden genannt עלביא Arabien, רומי Rom und zwischen beiden אפליקיא. Kann dies der ferne Kaukasus sein? In י j. Schebüth vi, 31 b wird את הקיני ואת הקניוי ואת הקדמוני: (Genes. 15, 19) von R. Eleasar ״b. Jakob gedeutet: אסייא וקרתיגכי ותורקי Asien (Asia proconsularis), Karthago und Thracien, oder, wie wir sagen würden: Asien, Afrika und Europa. Hätte diese Dreitheilung einen Sinn, wenn א&ליקא., der Kaukasus wäre? Und dennoch sehen wir, dass קלתיגני geradezu mit אפליקא abwechselt. Im Targum scheni zu Esth. 1, 14 und im Midr. Abba Gorjon (p. 16 ed. Buber) wird angegeben, Karschena sei aus Afrika gewesen; der Zusammenhang spricht hier deutlich für das bekannte Afrika. Bür Cassers Meinung tritt aus mehreren Gründen Harkavy ein (in Geiger’s Jüd. Zeitschrift Y, 34 ff.), ohne die- selbe durch wesentlich neue Argumente stützen zu können. Unter seinen Gründen scheint mir nur der neu zu sein, wonach die Sage, dass Girgaschi nach Afrika gegangen sei (j. Schebiith *VI, 36c), auf der Lautähnlichkeit zwischen ׳גלנשי und y££öP׳T°£ beruhe, weshalb an Georgien im Kaukasus zu denken sei. Nun hat aber diese Sage ganz andere Anschaumigen zur Voraussetzung (s. den Aufsatz Bacher’ s: The supposed inscription upon ״Joshua the Robber“ in Jewisb Quaterly Review III, 354), welche zum Theile schon oben berührt worden sind. Auch zweifle ich daran, dass Georgien schon im Alterthum ein selbstständiger geographischer Begriff gewesen sei. Denn die Alten sprechen nur von ״ansässigen Skythen“ (FsoopYol SttoJm Herod. IY, 19), von Nomaden und Georgen ha-Ittim, 1824, p. 71, Note 2), so wird er sich gewiss eher nach Afrika als nach dem unwirthlichen Kaukasas gewandt haben. ‘ . 1) Mir nicht ganz klar.