Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die biblische Völkertafel im Talmud, Midrasch und Targum
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Die biblische Völkertafel im Talmud, Midrasch und Targum. 3 theiligen Ansicht sind, näher eingehen, obzwar dadurch unsere Abhandlung an Rundung und Planmässigkeit verliert. Die Wiedergabe vonGonבermit’אפרירןא besprechend, schreibt zuvörderst Cassel: ״Wie Afrika hierher passen sollte, das dem Brbtheile Cham’s gehört, sieht man nicht ein, und ist auch nicht gut einzusehen . . .u Nun ist aber eine Yertheilung der.Yölker auf die drei Welttheile Europa, Asien und Afrika gar nicht beabsichtigt und eine consequente, planmässige Yertheilung überhaupt nicht durchgefiihrC Am allerwenigsten fühlt sich aber die freie agadische Deutung an irgend ein System gebunden. Lebhaftigkeit, Phantasie, sprudelnder Witz und tiefe Empfindung, diese hauptsächlichsten Merkmale der Agada, haben mit einem pedantisch wohldurchdachten System Nichts zu schaffen; der Agada ist die Deutung des Textes, und zwar eine Deutung, welche auf allgemeines Yerständniss und allgemeinen Beifall rechnen kann, der alleinige Zweck, und dieser ist erreicht, wenn Gomer mit Afrika wiedergegeben wird. Der -Agadist geht nämlich von der richtig*en Voraussetzung aus, dass das erste Yolk, welches in der grossen Yölkerreihe auftritt, dem Raume nach das entfernteste sein müsse; das Entfernte macht aber den Eindruck des Fremdartigen, des Ungewohnlichen, ,.des Wilden; weil nun aber in jüdischen Kreisen eben Afrika für den Sitz der wildesten Yölkerschaften galt1), so setzte man den Ausdruck Gomer offne Weiteres und bloss dem ersten Eindrücke, den man vom Texte gewann, folgend, mit Afrika gleich. Di§* Wahrnehmung, dass der Agadist für die ersten Yölkernamen das Entfernteste und Yerrufenste sucht, setzt uns auch jin den Stand, die Ursache anzugeben, warum die weiten Gefilde von Afrika, Germanien, Gothien und Sarmatien besonders stark im Auge behalten und einige *) Im Midrasch ist Nordafrika — bekanntlich war den Alten nur der Norden des dritten Erdtheiles bekannt — die verrufenste Gegend und darum kurzweg ,/Barbarei“ genannt; vgl. den heutigen Namen ״Berberei“. In Genes, r., cap. 60, 2 heisst es: שמא יבא כושי אחד או בדבר אחד, woraus erhellt, dass ברבר nicht bloss Bezeichnung einer Eigenschaft (= Barbar), sondern ein geographischer oder ethnographischer Begriff ist; darum Aruch: אומד משוקצת■ Für מעם לועו (Psalm 114, 1) setzt Targum: מעמא ברבריא• Zu גוי כבל in Deuteron. 32, 2! bemerkt Sifre״ 320 (pag. 137a Friedmann): אלו ד,באים מברבריא . . . וממדרטניא; vgl. b. Jebam. 63b. Im Midrasch Schi!• rabba zu 2, 8 figurirt die Berberei neben Sarmatien: אחד מכם גולד^לברבריד, ואחד מכם גולה לםמטריה (lies לסרממיה); in Genesis rabba cap. 75, 9 neben Germanien: בכי ברבריא ובכי גירמכיאה. Mit einem Worte: Nordafrika ist im Midrasch ais das typische Land der Barbarei und zugleich als der entfernteste Sitz von Völkerschäften gedacht. 1*