Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Beziehungen des Johannes Duns Scotus zum Judenthum
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 8)
- Language
- German
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Die Beziehungen des Johannes Duns Scotus zum Judenthum. 33 Der Einfluss der GabiroFschen Philosophie tritt, wie bereits bemerkt, vornehmlich in der Schrift De rerum principio hervor. Das metaphysische oder kosmologische System, das hier zur Darstellung gelangt, hat zu seiner Grundvoraussetzung die GabiroFsehe Lehre von einer einheitlichen, universellen Materie, die allen geschöpflichen Dingen, den geistigen wie den körperlichen Substanzen, zu Grunde liege. Im Einzelnen geht Scotus bei der Begründung dieser Lehre, wie es von einem so scharfsinnigen Denker nicht anders zu erwarten ist, vielfach seine eigenen Wege. Dagegen ist in den Grund־ begriffen des scotistischen Systems die Abhängigkeit von Gabirol so unverkennbar, dass man, nach einer Bemerkung Stöckls, in der Darstellung des Scotus einen fort] au lenden Commentar zu der Metaphysik des Avicembron vor sich zu haben glaubt1). Jedes geschöpfliche Wesen, so lehrt Duns Scotus, ist, da in ihm Möglichkeit und Wirklichkeit oder Potenz und Act unterschieden weiden müssen, ein zusammengesetztes; es ist aus den beiden, sein Wesen constituirenden Pactoren, aus cler Potentialität und der Actualität, zusammengesetzt. Die Potentialität ist das an sich Unbestimmte, welches durch den Act zu einem bestimmten Sein determinirt wird. Demnach ist jedes geschöpfliche Wesen zusammengesetzt aus einem an sich Unbestimmten und aus einem dasselbe Bestimmenden, die beide in Verbindung miteinander das Wesen in seinem eigenthümlichen Sein constituiren2). Das an sich Unbestimmte ist aber überall die Materie, während die Porm sich zu demselben als das Bestimmende verhält; mithin muss jedes geschöpfliche Wesen als solches aus Materie und Form zu־ sammengeselzt sein3). Dies gilt ebenso von den rein »Salomonen! poenituisse, non est tenendum, nisi ex scriptura ostenditur. Multo expressius dicunt de salute Saulis, quem dicunt salvatum in libro Barahoc etc. Diese beiden Aussprüche lassen sich im Tractat Berachoth nicht nachweisen, Mit dem ersteren ist vielleicht die Stelle Sabbat 156 .01־b und mit der zweiten die Stelle Joma, fol. 22b gemeint. 1) Stöckl, Geschichte der Philosophie des Mittelalters (Mainz 1865) II. S. 808. Werner (Johannes Duns Scotus, Wien 1881, S. 62) vernmthet, dass Scotus, gleich Wilhelm von Auvergne, den Avicebron für einen Christen gehalten habe. 2) De rerum princip. qu. 7. artic. 2. 14 seq. Toni. III, pag. 40. Vgl. Guttmann, Gabirol S. 62. Ich beschränke mich hier darauf, die dortige Darstellung in einigen Punkten zu ergänzen. 3) De rerum princip. qu. 7, art. 2, 23 pag. 42. Ostendo, quod cum compositio ex indeterminato et determinato sequatur omne ens creatuni, quod in bis, quae sunt de genere substantiae, illud indeterminatum sit vere substantia, et cum non sit forma, oportet, quod sit materia; ac Monatsschrift. 38. Jahrgang. 3