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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 1 · p. Seite 31

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
38 (1893-1894)
Issue
Heft 1
Article
Die Beziehungen des Johannes Duns Scotus zum Judenthum
Date
1893-01-01
Page
Seite 31 (sequence 6)
Language
German
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Die Beziehungen des Johannes Duns Scotus zum Judenthum. 31 Taufe zuzuführen. Wohl aber stellt ein solches Recht dein Landesfürsten zu. Wie die Machtbefugnis der unteren Obrigkeit an der der höheren Obrigkeit ihre Grenze findet, so hört auch die Macht der Eltern auf, wo sie mit der Macht Gottes in Widerstreit geräth. Der Fürst des Staates ist daher verpflichtet, seine Unterthanen auch gegen den Willen ihrer Eltern zur Unterwerfung unter die Macht Gottes zu zwingen; demgemäss ist es nicht nur ein Recht, sondern sogar eine Pflicht des Fürsten, die Kinder der Herrschaft ihrer Eltern, wenn diese ihre Kinder in einer der Verehrung Gottes widersprechenden Weise erziehen, zu entreissen und dieselben der rechten Gottesverehrung zuzuführen1). Aber nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Eltern sollten gewaltsam zur Taufe angehalten werden. Sei es auch, dass sie selber noch nicht mit aufrichtigem Herzen zum christlichen Glauben sich bekennen würden, so ist es doch immerhin ein geringeres Uebel, wenn sie ihr Gesetz nicht straflos ausüben können; ferner aber würden ihre Nachkommen bei angemessener Erziehung im dritten oder vierten Geschlecht als aufrichtige Bekenner für den Glauben gewonnen sein-). Das Wort des Propheten Jesaia (Gap. IV, 22), dass der Ueberrest Israels sich erst am Ende der Tage bekehren werde, steht einer gewaltsamen Taufe der Juden nicht entgegen, denn um dieses Prophetenwort in Erfüllung gehen zu lassen, würde es genügen, eine geringe Anzahl von Juden auf irgend einer Insel einzuschliessen und ihnen die Beobachtung ihres Gesetzes zu gestatten. Als Stütze für seine Ansicht führt Scotus unter Anderem den Be- Schluss des Concils zu Toledo an, in welchem von dem!) In Sent. IV dist. 4 qu. 9 (Tom VIII), pag. 275. De parvulis Jndaeorum et infideliun!, an sunt invitis parentibus bapfcizandi, dicitur quod non: quia aut redderentur parentibus et tune baptizatio eoxum esset in eontumeliam fidei christianae, qnia post nutrirentur a parentibus in errore parentum, aut non redderentur et tune fieret injuria, quia dum sunt parvuli, jus habent parentes in eos. Das ist die Ansicht des Thomas, des Durand von St. P^ urqain und Anderer. Scotus scbliesst die Erörterung mit den Worten: et per consequens non solurn licet sed debet princeps auferre parvulos a dominio parentum volentium eos edu« care contra cultum Dei, qui est primus et honestissimus dominus, et debet eos applicare cultui divino. —־ Dieser Entscheidung sehliessen sich, wie der Commentator des Opus Oxoniense Antonius Hiquaeus, gleichfalls ein Franziskaner, bemerkt, alle Schüler des Scotus an. 2) Ibid. quia esto, quod ipsi non essent vere fideles in anirao, tarnen minus malum esset eis non posse immune legem suam sanctam servare, quam posse eam libere servare. Item filii eorum, si bene educarentur, in tertia et quarta progenie essent vere fideles.

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