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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1893-01-01 · Heft 1 · p. Seite 30

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
38 (1893-1894)
Issue
Heft 1
Article
Die Beziehungen des Johannes Duns Scotus zum Judenthum
Date
1893-01-01
Page
Seite 30 (sequence 5)
Language
German
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30 Die Beziehungen des Johannes Duns Scotus zum Jadenthum. falsch ist1). Demgemäss ist bei ihm auch die Tendenz, die Lehren der Theologie mit denen der Philosophie in Einklang zu setzen, bei weitem nicht mehr in dem Maasse vorherrschend wie bei Thomas von Aquino. Umgekehrt spricht Scotus sich, tadelnd über diejenigen aus, welche Theologie und Philosophie miteinander vermengen und es daher weder den Theologen noch den Philosophen recht machen 2). Aus diesem Standpunkt des Scotus erklärt es sich, dass die Yermittelungstheologie des Maimonides auf ihn einen viel geringeren Eindruck gemacht hat als auf Thomas von Aquino. Trotzdem werden wir auch bei Scotus eine Beeinflussung durch Maimonides in einigen nicht unwesentlichen Punkten nachweisen können. Wie Johannes Duns Scotus als Theologe einen der speculativen Geistesrichtung des Thomas von Aquino vielfach entgegengesetzten Standpunkt ein nimmt, so hat er auch in mancher anderen Beziehung sich zu Anschauungen bekannt, die wir im Vergleich mit der humaneren und aufgeklärteren Denkungsart des Thomas nicht anders als einen bedauernswerthen Rückschritt bezeichnen können. So verhält es sich auch mit Scotus’ Aeusserungen über das Judenthum oder über das Verhalten, das die Kirche den Juden gegenüber ein- Zuschlägen habe. Während Thomas die gewaltsame Taufe jüdischer Kinder verwirft, weil es dem Ansehen der Kirche schaden würde, wenn die Kinder im reiferen Alter, von ihren Eltern veranlasst, sich von der Kirche wieder abwenden würden, und weil ein solches Verfahren der natürlichen Gerechtigkeit widerstreite, da das Kind, so lange es nicht den Gebrauch der eigenen Vernunft habe, naturgemäss der Gewalt der Eltern unterstehe3), tritt Scotus im ausgesprochenen Gegensatz zur Ansicht des Thomas mit aller Entschiedenheit für die gewaltsame Taufe jüdischer Kinder ein. Ein Verstoss wider die natürliche Gerechtigkeit, meint Scotus, wäre die gewaltsame Taufe nur dann, wenn sie von einer Privatperson veranlasst würde, da eine solche allerdings nicht das Recht habe, das Kind den Eltern zu entreissen und es der Fides non est habitus speculativus, neo credere est actus speeulativus, nec visio sequens credere est visio speculativa sed practica. Ygl. auch Reportata Parisiensia prol. qu. 3 (Tom XI) pag. 23, a seq. G Report. Paris. IV. dist. 33 qu. 3 schol. 4, pag. 848. 2) In Sent. II dist. 3 qu. 7, vgl. Erdmann, Grundriss der Gesell, d Philosophie P S. 412. 3) Ygl. Guttmann, Das Yerhältniss des Thomas von Aquino. S. 4.

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