Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Beziehungen des Johannes Duns Scotus zum Judenthum
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Beziehungen des Johannes!)uns Scotus zum Judenthum. 29 erklärt Scotus ausdrücklich, im Gegensatz zu Thomas von Aquino auf den Standpunkt des Avicembron zurückkehren zu wollen1). Freilich ist der Einfluss der Gabirorschen Philo־ sophie auf die Lehre des Scotus trotzdem nicht so hoch anzuschlagen, als man danach zu vermnthen wohl berechtigt wäre. Scotus ist kein Systematiker wie etwa Thomas von Aquino. Wir besitzen von ihm keine Gesammtdarstellung seiner Lehre; er hat nicht, ־wie die grossen Theologen jener Zeit, eine Summa verfasst, in der er ein abgeschlossenes Lehrsystem dargeboten hätte, Y011 seinen Schriften, die in der von Lucas Wadding besorgten Gesammtausga-be (Lyon 1639) zwölf starke Foliobände füllen, ist nur die verhältnissmässig kleine Schrift: De rernm principio und daneben etwa noch die Schrift: De primo principio und die Theoremata in systematisch darstellender Form verfasst. Alles Andere sind kritisch-commentatorische Schriften, in denen Scotus sich mehr an die von ihm behandelten Autoren anlehnt und daher weniger zu einer systematischen Begründung seines eigenen theologischen Standpunkts kommt. So erklärt es sich, dass wir dem Namen des Avicembron ausser in der bereits er־ wähnten Schrift De rerum principio bei Scotus nur sehr selten, begegnen. In seinem Hauptwerke, dem sechsbändigen Commentar zu den Sentenzen des Petrus Lombardus, oder dem Opus Oxoniense ist uns dieser Name nicht ein einziges Mal aufgestossen, Im Allgemeinen tritt bei Scotus das speculative Interesse hinter dem theologischen weit zurück. Die Theologie ist nach ihm, wenn sie überhaupt eine Wissenschaft ge־ nannt werden darf, eine von allen anderen Wissenschaften verschiedene, auf eigenen nur für sie geltenden Principien beruhende Wissenschaft von mehr praktischem als speculativem Charakter 2). Es kann, so lehrt Scotus, einen Satz geben, der für die Theologie wahr, für die Philosophie dagegen setzung der geistigen Substanzen aus Materie und Form tritt jedoch der Einfluss Gabixols nicht deutlich hervor. Vgl. Kevue des Etudes juiv. XIX. S. 229—BO. 9 Wir kommen auf die Stelle später noch zurück und werden sie dort ihrem Wortlaut nach anführen. 2) Comment. in sent. prolog. qu. 3 (Tom Y) pag. 108. Ad sec. quaestionem dico, quod haec scientia (sc. theologia) nulli sübalternatur. Quia licet subiectum ejus possit aliquo modo contineri sub subiecto metaphysicae, nulla tarnen principia accipit a metaphysica, quia nulla passio tlieologica demonstrahilis est in ea per principia entis vel per rationem sumtam ex ratione entis. Nec ipsa aliam sibi subalternat, quia nulla alia scientia accipit principia ab ipsa etc. Ibid. pag. 163.