Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Beziehungen des Johannes Duns Scotus zum Judenthum
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 3)
- Language
- German
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28 Die Beziehungen ues Johannes Dans Scotus zum Judenthum. und Thomas ־von Aquino, aus dem Orden der Dominikaner hervorgegangen, so geht die Reaction gegen die durch sie vertretene Geistesrichtung von Johannes Duns Scotus (geh. im J, 1274, nach Anderen 1266, gest. im J. 1306), dem hervorragendsten Theologen des Franziskanerordens, aus. Ohne Zweifel hat in der Folgezeit die zwischen den beiden Orden herrschende Rivalität nicht unwesentlich zur Verschärfung des Gegensatzes zwischen der Lehre der Thomisten und der der Scotisten beigetragen, denn wie die Anhänger des thomistischen Lehrsystems zumeist den! Orden der Dominikaner entstammen, so gehören die Anhänger des scotistischen Lehrsystems vorzugsweise dem Orden der Franziskaner an. In einem Punkte jedoch, der einen der tiefeingreifendsten Lehrunterschiede beider Schulen begründet, nimmt die Theologie des Franziskanerordens, obgleich auch sie im Wesentlichen auf dem Boden der aristotelischen Philosophie steht, von ihren ersten Anfängen an einen der aristotelischen Lehre entgegengesetzten Standpunkt ein. Schon bei Alexander von Haies, dem Begründer der Franziskanerschule, begegnen wir der Ansicht, dass nicht nur die körperlichen, sondern auch die geistigen Substanzen aus Materie und Form zusammengesetzt seien. Zu derselben Ansicht bekennen sich auch Wilhelm von Lamarre und der Mystiker Bonaventura, die beide aus dem Orden der Franziskaner hervorgegangen sind. Bekanntlieh aber ist die Lehre von der Zusammensetzung auch der geistigen Substanzen aus Materie und Form die philosophische Grundanschauung des Salomon ihn Gabirol, die dieser unter dem Hamen des Avicebron oder. Avicebrol1) bei den christlichen Scholastikern vielgenannte jüdische Denker in seinem Fons vitae zu begründen sucht. Von den Lehrern des Dominikanerordens mit aller Entschiedenheit abgewiesen 2), ist dieser Grundgedanke der GabiroTschen Philosophie von Johannes Duns Scotus wieder aufgenommen und seinem Lehrsystem als ein wesentlicher Bestandtheil einverleibt worden3). An einer Stelle seiner Schrift De rer um principio!) Vgl. meine Schrift: Die Philosophie des Salomon ihn Gabirol (Göttingen 1889), S. 7, Anmerk. 1. Bei Johannes Dans Scotus wie bei Wilhelm von Auvergne hat die Namensveistümmelung die Form Avicembron oder Avicembronus angenommen. 2) Vgl. Guttmann, Das Verhältniss des Thomas von Aquino etc. S. 16—30. 3) Von Alexander von Haies wird zwar das Liber fontis vitae an einer Stelle citirfc; in seiner Darstellung der Lehre von der Zusammen-