Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Beziehungen des Johannes Duns Scotus zum Judenthum
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Beziehungen des Johannes Duns Scotas zum Juaenthum. 27 aufz uw eisen hat. Mit der Aufnahme der aristotelischen Philo- Sophie hat aber auch die jüdische Theologie einen nicht unbeträchtlichen Einfluss auf die christliche Scholastik ausgeübt. Macht sich schon bei Alexander von Haies und bei Wilhelm von Auvergne in manchen Punkten eine gewisse Abhängigkeit von Maimonides bemerkbar1), so tritt uns diese Abhängigkeit in noch viel höherem Maasse bei Albertus Magnus* 2) und besonders bei Thomas von Aquino 3) entgegen. Das Bestreben, die Kirchenlehre mit der Philosophie zu versöhnen, eine Uebereinstimnrung zwischen der Bibel und dem Aristoteles herzustellen, bildet die Grundtendenz, von der jene beiden grossen Scholastiker des dreizehnten Jahrhunderts in dem eigentlich spekulativen Theil ihrer Theologie sich leiten lassen. Hier war es nun der ״Führer“ des Maimonides, der auch den beiden Lehrern der katholischen Kirche bei der Lösung dieses Problems als Führer gedient hat. Maimonides ist der Pfad- Ander, der den christlichen Theologen den Weg gezeigt hat, wie man zu einer Ueberein Stimmung zwischen der Bibel und dem Aristoteles gelangen, oder auch wie man ausnahmsweise einmal sich der Autorität des Aristoteles entziehen könne, um nicht in einen offenen Widerspruch mit dem biblischen Dogma zu gerathen. Allein es giebt nun einmal kein Gebiet menschlicher Geistesentwicklung, das ein unverändertes Beharren bei einem bereits gewommenen Standpunkte gestatten würde. Mit dem Augenblick,. wo eine Entwickelung ihren Höhepunkt erreicht hat, tritt entweder eine Zeit des Niedergangs und des Verfalls ein, oder es macht sich wenigstens eine Gegenströmung bemerkbar, durch welche der Gang der Entwickelung in andere Bahnen geleitet wird. So tritt gegen Ende des dreizehnten Jahrhunderts auch in der Entwickelung der Christliehen Scholastik eine Wandlung ein, von der die Geschichte- Schreiber der Philosophie, ob mit Becht oder Unrecht, lassen wir dahingestellt sein, den beginnenden Verfall der Christliehen Philosophie des Mittelalters datiren. Waren die beiden consequentesten Vertreter des Aristotelismus, Albertus Magnus 1) Guttmann, Guillaume d’Auvergne et la litterature juive in der Bevue des Etudes Juives, XYIII S. 243fgg., Alexandre de Haies et le Judaisme. Das. XIX S. 224fgg. 2) Joel, Verhältniss Albert des Grossen zu Maimonides (Programmschrift des jüd.-theol. Seminars zu Breslau) 1863. 3) Guttmann, Das Verhältniss des Thomas von Aquino zum Judenthnm und zur jüdischen Literatur. Göttingen 1891.