Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Testament Mardochai Meysels
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 12)
- Language
- German
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36 Das Testament Mardoehai Meysels. zu vermachen oder zu verschenken; und falls er ohne Hinterlassung eines Instrumentes oder einer Anordnung sterben sollte, so mögen seine Erben und nächsten Blutsverwandten den Nachlass ohne alle und jede Gefahr, ohne alles Hinderniss unter sich tkeilen und. ihn wie ihr eigenes Vermögen behalten und gemessen. Endlich geruhen Se. kais. Majestät aus allerhöchster Gnade überdies zu bewilligen, Marcus Mardoehai damit zu besehenken, dass dieser für die von ihm neulich erbaute Judenschule die Eahne Davids in derselben Art, wie sie in ihrer alten grossen Schule ist1) und dort gesehen wird, anfertigen lassen dürfe und dass die Juden sie dann frei in dieser Schule gebrauchen sollen.2) Trotz dieses kaiserlichen Privilegiums wurde bekanntlich, kaum dass die Leiche Mardoehai Meiseis kalt geworden war, von dem Präsidenten der böhmischen Kammer auf das!unterlassene Vermögen Beschlag gelegt, dasselbe, so weit es vorgefunden, weggeführt, und nachdem man den einen Haupterben und Neffen des Verstorbenen gefoltert und zum 1) Die bei Podebrad (ALterthümer der Prager Josephstadt) gegebene ITebersetzung ist ziemlich ungenau. Die Fahne wurde, wie die weiter gegebene Inschrift lehrt, bereits bei der Einweihung der Synagoge aufgestellt, das Privilegium also hier nur wiederholt. 2) Trotz der eigenthümlichen und unzutreffenden Bezeichnung ״grossen Synagoge“ ist hier die Altneuschul gemeint, in welcher bekanntlich seit 1357 eine wiederholt erneute Fahne sich befindet, welche Kaiser Karl IY. hei seiner Heimkunft aus Italien den Prager Juden schenkte und mit Privilegien versah. Sie wurde (analog den Kirchenand Zunft-Fahnen) der Judenschaft hei feierlichen Aufzügen und Empfängen vorangetragen. Die Fahne der Meisel-Synagoge ist ungefähr 6 Meter lang und zwei Meter breit, auf rothe Seide mit Gold, im Style und in der Form ganz ähnlich der Altneuschulfahne, jedoch heraldisch stylgerechter, gestickt und weist das ״Wappen Davids*‘, mit Helm und Wappendecke geziert, in riesigen Dimensionen auf. Die weiter unten gegebene Inschrift lehnt sich treu an die der Altneuschule an. Sie wurde meines Wissens bei solchen Öffentlichen Aufzügen nicht verwendet. Wenigstens lautet ihr Privilegium nur auf Yerwendung in der Schule. Danach ist das unrichtige Citat bei Podebrad zu berichtigen.