Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1892-01-01 · Heft 1 · p. Seite 34

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
37 (1892-1893)
Issue
Heft 1
Article
Das Testament Mardochai Meysels
Date
1892-01-01
Page
Seite 34 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829640-2829642-2844957--24589-2844995
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

34 Das Testament Mardochai Meysels. haben, da sie keinen Gegenstand der Verfügung in seinem Testamente bilden. Über den Bestand-der Meyselsynagoge schloss er, ־wie wir aus dem Testamente ersehen werden, einen Separatvertrag mit der Gemeinde in hebräischer Sprache, der auch in deutscher Uebertragung ausgefertigt wurde, und der nach jenem untergegangenen Vertrage auch in die städtischen Grundbücher eingetragen werden sollte. Oh dies auch wirklich geschah, ist zweifelhaft, wenigstens konnte derselbe bisher nicht aufgefunden werden. Die Meiselsyn agoge blieb also Privatbesitz Meiseis. Mit der Constatirung dieser Thatsache, die ganz klar aus dem Testamente erhellt, zerfliesst eine alte Prager Sage in Nichts, welche, um die Hartherzigkeit der Gemeinde-Vorsteher jener Zeit zu charakterisiren, erzählt, dass Meisel nach Einweihung und Uebergabe seiner Synagoge an die Gemeinde für sich einen Sitz darin verlangt habe. Derselbe sei ihm jedoch verweigert worden mit dem Bedeuten, nun müsse er wie jeder Fremde sich einen solchen kaufen. Meisel habe dies aber nicht gethan und habe lieber seinen Platz unter den hinten stehenden armen Leuten eingenommen. Dies gehört nun der unbegründeten Sage an, da Meisel nicht nur seine Synagoge bis zum Tode als Privatbesitz behielt und über dieselbe testirte, sondern auch in der von ihm gebauten, an das jüdische Rathbaus1) anstossenden Hochsynagoge eine grosse Anzahl Sitze als Eigenthum für sich und seine Familie zurückbehalten hatte. Interessant ist, dass Meisel nicht nur christliche Arme׳ reich mit Spenden bedachte, sondern auch nach einem bei Lieben (Gal Ed) angeführten Berichte aus der Hist. Societatis Jes. p. 2, zum Ausbau der im Jahre 1581 eingeweihten Salvator- Kirche 100 Gulden gespendet hat. Da war es denn ein Tag der wahrsten Trauer und des ־angeheucheltsten Jammers in der Prager Gemeinde als ihr Schützer , .1) Eine verbreitete Prager Tradition schreibt Meisel auch die Erbauung. des jüdischen Kathhauses mit dem bekannten Thurm und der ״hebräischenTJhr“ zu, doch konnte ich darüber nichts Urkundliches finden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.