Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Alter der drei Benedictionen von Israel, vom Freien und vom Mann
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Alter der drei Benedictionen. 17 ״־ TtpwTov jjisv ou av־0׳pco7cog sqevopyjv %al ob 07׳jpfcv ־ slxa ort av7jp ־xai 00 ׳yövt] ״ xpcxov oxc ׳'EXX7)V %ai ob ßapßap0£. Hermippos hätte auf Thaies zurückgeführt, was Manche Y0n Sokrates unführen, dass er nämlich um dreier Dinge willen dem Schicksal gedankt habe, erstlich dafür, dass er ein Mensch und kein Thier, dann dass er ein Mann und keine Frau und drittens dafür, dass er ein Hellene und kein Barbar geworden. Allein ־auch hier fehlt die lieber ein Stimmung in einem wichtigen Punkte und das Schwankende der üeberlieferung beweist, •dass Steinhart Recht hat, wenn er im Leben Plato’s p. 225, 288 bemerkt: Es war dies also eine jener nicht übel ersonnenen Wanderanekdoten, die von einem bedeutenden Manne auf einen anderen übergehen. Was Plutarch von Philo berichtet, das hat Diogenes Laertius auf Sokrates übertragen hören, wie es Hermippos von Thaies überlieferte. Bei dem Kirchenschriftsteiler Laetantius div. instit. III, 19 sind es vollends fünf Benedictionen geworden, die dem Platon in den Mund gelegt werden: Non dissimile Platonis illud est, quod ajebat, se gratias agere naturae: prim um quod homo natus esset potius quam tantum animal: deinde quod mas potius quam femina: quod Graecus quam barbarus, postremo quod Atheniensis et quod temporibus Socratis. Sei es nun, dass die jüdischen Benedictionen Gott ursprünglich dafür priesen, dass er uns nicht zu Unwissenden oder dass er uns nicht zu Sklaven geschaffen, keinesfalls finden wir bei den Griechen dafür eine Analogie. Im Yorübergehen will ich auch noch darauf aufmerksam machen, wie charakteristisch im jüdischen Gebete die Yerschweigung und absichtliche Weglassung, der Gegensätze gegenüber ihrer Nennung bei den Griechen und in der Epistel des Paulus sich darstellt. So wenig man also, wie es Arthur SchopenhauerJ) gethan hat, den Plato darum zu einem von den Juden abhängigen und ihnen seinen Theismus verdankenden Philosophen machen darf, weil eine schwankend überlieferte und Nichts beweisende Anekdote ihm drei nur sehr oberflächlich angesehen, den jüdischen Gebeten ähnliche Benedictionen in den Mund legt, darf diese Anekdote dazu dienen, die merkwürdige und in ihrer Fassung durchaus jüdische Gruppe der drei Benedictionen, die im jüdischen Ritus täglich verrichtet werden, als eine Entlehnung von den Griechen darzustellen, bei denen einmal Jemand etwas nur entfernt Ana- '10'ges ein einziges Mal vor seinem Tode geäussert haben soll.!) Welt und Wille als Vorstellung I 577. Monatsschrift 37. Jahrgang. 2