Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 34 (1885)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Historische und topographische Streifzüge
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 11)
- Language
- German
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Historische und topographische Ztreiszüge. 27 wohl, antwortete N' Gamaliel; ״wir haben neben dem fchriftlichen noch ein mündliches Gesetz." Die zweite Frage betrifft ein Gesetz, welches den Römern und Griechen höchst auffallend sein mutzte, daß nach Exodus der Besitzer eines gewohnheitsmäßigeu, Menschenleben bedrohenden Thieres, wenn dadurch der Tod eines Menschen erfolgt ist, todeswürdig sei, daß also für indirekte Tödtung die Todesstrafe verhängt werde (die Septuaginta hebt es besonders hervor: x«i xvqcoc avT0v 71 00 0 itav slra 1). Der Verwunderung über ein solches Gesetz in den Augen des heidnischen Statthalters halt R' Gamaliel treffend das römische Gesetz entgegen, welches den Genoffen eines Räubers wie dielen selbst bestraft wissen will. Die dritte und vierte Frage betrifft Äne scheinbare Verrechnung, weiche in Exodus bei der Sumirung der halben Schekel von jedem Erwachsenen und in Numeri bei der Loslösung der Erstgeboreiim statt der Leviten vorkommt. Die Unterred ung zwischen dem Hegemon und;H' Gamaliel enthält also nicht das Geringste, das sie als historisch verdächtig stempeln könnte; die Fragen, die der Ecsiers an den Patriarchen richtet, zeigen keine Spur von Vorliebe für das Judenthum, eher noch läßt die Aeutzerung, dis er bezüglich der Widersprüche in der Berechnung in Exodus und Numeri zu finden glaubte, seine geringe Meinung von Mose erkennen: ״Euer Mose hat bei den Angaben der Berechnung sich entweder als schlechter Rechner gezeigt, oder er hat Gelder unterschlagen." Die Unterredung kann also authentisch sein, und da der in den talmudischen Quellen verstümmelt wiedergegebene Name des Hegemon auf den Legaten Atticus führt, so ist wohl anznnehmen, daß es Titus Claudius Atticus war, welche Fragen an R' Gamaliel gerichtet hat. Der aus Athen stammende Statthalter kann die griechische Uebersetzung der Bibel gelesen,und hat wohl, sei es im Interesse seines politischen