Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über die Stellung der deutschen Juden innerhalb der gesammten Judenheit
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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innerhalb der gesammten Judenheit. 5 die Geistesrichtungen der Bekenner beider Religionen niemals verwandter und beziehnngsreicher waren, als in diesem (dem 13.) Jahrhundert, in welchem sie im Leben sich am Feindseligsten gegenüberstanden und durch die tiesste Kluft von einander geschieden waren" '). Ja, so wunderbar mengen sich bisweilen im Leben des Gemüthes jene bewegenden Elementarmächte: die Liebe und der Haß, daß Abstoßung inmitten der Anziehung, Anziehung inmitten der Abstoßung sich zu regen beginnt. Mit Deutschlands Namen enger, denn mit irgend einem der Diaspora bleibt Israels Geschichte verknüpft, wie sehr auch Menschen sich bemüht haben und noch bemühen mögen, das festgeknüpfte Band zu lösen. Deutsche Juden hatten viel früher, als die eigenen Söhne Teuts, an der Germanisirung ״Slavoniens" gearbeitet, des mit Böhmen beginnenden slavischen Ostens, sie sind heute noch an so vielen Punkten der Erde Vertreter des Deutschthums, ob sie auch um defsentwillen nicht geringe Unbill zu erleiden haben. Man geht wohl kaum fehl, wenn man annimmt, daß man sich l*/4 Millionen Juden in hochdeutscher Sprache und Schrift, und zwischen 3 bis 4 Millionen in weniger reinem Deutsch und in hebräischen Schriftzeichen verständlich machen kann; ein Satz, wie ihn vielleicht die anderen Idiome, in denen heute Juden sprechen, zusammengenommen, kaum annähernd erreichen. Geschichtlich erklärt sich dies daraus, daß im Miittelalter der Strom jüdischer Einwanderung nach Deutschland, als dem Mittelreiche, und über Deutschland geführt habe in der Richtung von West nach Ost, von Frankreich ausgehend und in den slavischen Osten einmündend. ') A. a. 0. S. 158.