Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 30 (1881)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1881)
- Article
- Spuren des deuterojesaianischen Ideenganges in der zeitgenössischen und späteren Literatur
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 Spuren des dcuterojcsaiaiiischcn Jdeengangcs tero-Jesaia erhalten wir den vollen Sinn dieses Verses. Dieser Prophet stellt gegenüber zwei Klasse» der Exulanten, die eine, welche von Jerusalem nichts mehr wissen will (עזבי ה׳ השבחים אח 11 ,65 הר קדשי), und die andere, welche um Zion trauert (66,10). Zu diesen gehören die Knechte Gottes, die Dulder (Anawim) (das. V. 13—14). Jene wird zum Fluche dienen, diese wird gesegnet sein (05,15. 23). Diese, die AuScrwählten, werden die Berge des heiligen Landes wieder in Besitz nehmen, die Knechte Gottes werden darin weileir (65,9) ns וירשוה בחירי ועבדי ישמו ש. Damit ist auch ausgedrückt, das; die Gleichgiltigen gegen das heilige Land davon ausgeschlossen sein werden. Eben diesen Gedanken giebt der Psalmist wieder. Er setzt aber voraus, das; seine Leser vorstehen werden, was unter ״Gesegneten" und ״Verwünschten" zu verstehen sei, mit einem Worte, er setzt voraus, daß sie Dentero- Jesaia's gegensätzliche Schilderung kennen. Deutero-Jesaia's Reden inüsien demnach sehr volksthümlich gewesen und seine Trö׳ stnngen, Ermahnungen und Androhungen müssen gesprochen worden fein. Ps. 69 ist unverkennbar von einem im babylonischen Exils lebenden Sänger gedichtet worden. Zunr Schluffe hofft und erwartet er, daß Gott Zion Heil geben, Jilda's Städte ausbauen werde, und daß die Dulder (Anawim), die Gottes Namen lieben, das Land wieder in Besitz nehnren werden. Der Schluß bewegt sich vollständig im Deulero-Jesaianische» Gedankenkreise. Der Sänger gehörte selbstverständlich zu den ״Trauernden um Zion"; er legte sich Fasten auf, kleidete sich in ein Trauergewand, alles ton des verödeten Heiligthums willen (V. 10—12). Aber eben deßwegen wurde er geschmäht und verlacht von den Berwelllichten, welche den ״heiligen Berg vergessen batten und vergeffen wollten". Die Müssiggänger an den Stadtthoren und die lustigen Zecher in den Weinhäusern machten sich über den Büßer lustig, welcher Phantome hegte, daß Jerusalem wieder