Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 30 (1881)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1881)
- Article
- Spuren des deuterojesaianischen Ideenganges in der zeitgenössischen und späteren Literatur
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829542-2829544-2844513--19965-2844530- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in der zeitgenössischen und späteren Literatur. 3 ״Der Geist des Herrn ruht auf mir, ,veil der Herr mich gesalbt hat, den Sanftmüthigen Heilsbotschaft zu bringen. Er sandte mich, die gebrochenen Herzen zu heilen, den Gefangenen Freiheit zu verkünden und den Gefesselten Erlösung, ein Jahr der Gnade auszurufen und einen Tag der Vergeltung, alle Trauernden zu trösten" (61,1—2). Und int Eingänge zum Ganzen gebraucht er die Redewendung: ״Eine Stimme sprach: ״״Rufe."" Und ich sprach: ״״Was soll ich rufen?40,6) "״). Allein da diese ittdividuellen Züge nur vereinzelt Vorkommen, und dieser Prophet die eigenthiimliche Redewendung liebt, einer Eollectivperson Monolöge in den Mund zu legen, so bleibt es noch immer zweifelhaft, ob er an diesen beiden Stellen thatsächlich von sich und seiner Berufung spricht, mld ob diese wirklich als Anrede an eine Zu- Hörerschaft anfzttfasseit sind. Nur wenn nachgeivieseit tverden kaitn, daß zeitgenössische uitd spätere Dichter Redewendungen und Schlagwörter von diesem Propheten entlehnt haben, nitd daß ein Dichter eine von ihm verkündete ideale Aussicht zum Gegensland einer Betrachtung gemacht hat, und endlich, das; er selbst von sich ausgesagt hat, daß er in großer Versammlung von froher Botschaft gesprochen habe, so wäre es damit belegt, daß er nicht ״i nr Geheimen g e s p r o ch e n" hat. Dieser Nachweis soll hier geführt werden. Es wird sich daraus ergeben, einerseits welchen gewaltigen Eindrttck seine Worte gemacht haben, mrd andererseits daß in einem Psalm eine Aettßerttng vorkommt, welche nur von diesen, Propheten stammen kann, in der er von seiner eigenen Thätigkeit spricht. Die Psalmen 94—99 bilden entschieden eine zusammengehörende Gruppe oder vielmehr einen einzigen Hymnus, welcher in vier große Strophen zerfällt. Die erste und dritte Strophe beginnt mit der Aussorderttttg: שירו לה׳ שיר חרש, und die zweite und die vierte mit dem Eingang: ה׳ מלך. Ihr Inhalt ist, Gott zu preisen und es Aller Welt zu verkünden, daß Er in jüngster 1*