Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1880)
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1880-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 6)
- Language
- German
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40 Beitrüge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde. I. Die Kästchen. A. Vensey theilt in seiner Einleitung zunr Pantschatantra (Leipzig 1859) I, S. 407 folgende aus V i k r a m a c a r i t r a geschöpfte indische Erzählung mit. Ein reicher Kaufmann hat vier Söhne. als seiri Tod naht, sagt er zu ihnen: ״Seid einig, trennt euch nicht! Wenn sie sich aber nicht vertragen könntet«, so würden sie unter seinem Bette vier Gefäße mit ihrem Namen bezeichnet finden, welche das Erbtheil eines jeden enthielten." Nach seinem Tode fairgeir sie nach einiger Zeit an, sich z>r streiten: sie holen nun die Gefäße; in dem des Aeltesten ist Erde, in dem des zweiten Kohle, in dem des dritten Knochen, in den« des viertel« Stroh. Keiner weiß, wie das zu deuten sei; auch' VikramLditya nicht. Da hört es das wunderbare Schlangenkind SLlivLhana in PratishthLna, kvmnrt in der« Gerichtssaal und entscheidet: Wer das Gesäß mit Erde hat, erbt die Ländereien; wer die Kohle, alle acht Metalle: Gold, Silber u. s. w.; wer Knochen, alles Lebende: Elefanten, Pferde, Büffel, Ziegen, Widder, Sclaven; wer das Stroh, alle Frucht, Getreide u. s. w. Mit dieser Entscheidung sind die Brüder zufrieden. Einer fast wörtlich übereinstinrmenden Erzählung begegnen mir im Talmud Tr. Baba Bathra 58 a. ״Ein Vater hinterläßt drei Söhne und vertheilt ihnen auf dem Todtenbett« sein Vermögen in drei Kästchen, indem er einem Sohne das mit Erde gefüllte, dem zweiten, das mit Knochen gefüllte und dem dritten das voller Fetzen giebt. Diese, die dessen Bedeutung nicht verstanden, konimen zu R. Bannaah und bitten ihn, daß er ihnen dieses Näthsel löse.