Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 29 (1880)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1880)
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1880-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 4)
- Language
- German
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38 Beitrüge zur vergleichenden Tagen- und Märchenkund«. — und auf diesen Punkt möchte ich das größte Gewicht legen, weil er mir geeignet erscheint, die Allsicht voll Grimnl und die von Benfey über den Ursprung der Märchen einigermaßen mit einander zu versöhnen — das Volk substituirt je nach der eigenen religiösen Anschauung andere über- oder unterirdische Gestalteil und macht sie sich angemessen. Die Rakshasa's, Dschinen, Tellfel, Niesen repräsentiren ebensoviele Zweige der iudogerinanischen Mythologie. Im Judenthunie treteil oft, in. älterer Zeit, Schedim, Geister, später Elia und der Todesengel an deren Stelle aus, die manchen, ihileil ursprünglich frenlden mythologischen Zug nicht ganz abstreifen konnten, aber in ihrer ganzen Erscheinung als Produkt des jüdischeil Volkslebens aufzufassen sind. Es sind daher nicht uuulittelbare Entlehnungen mit Haut und Haareu, sei es von jüdischer, sei es vor! frenider Seite, die wir hier im wesentlichen vorzuführen gedenken, als vielmehr mehr oder «linder subjeetiv gefärbte Erzählungen, die, wenn auch ,ilanchmal ursprünglich fremd, in der Form jedoch, in welcher sie uns entgegentreten, als aus dem Volksleben geschöpft zu betrachten sind. Es lag dem Tradenten ivahrscheinlich feine andere als eine mündliche oder hebräisch abgesaßte Lluelle vor. Uebersetzungen, wo sie sich als solche ankündigen, werden auch von mir als Uebersetzungen bezeichnet. Ich habe daher manche Punkte, welche für die vergleichende Mythologie von Interesse sein könnten, wie z. B. über Blut, Bann« re. ausführlicher gesprochen unb Ma terial zusammengetragen. In der Bibel, wie es in nerlerer Zeit von Nork an bis aus Goldzieher herunter geschah, suche ich dagegen keine Mythologie. Diese konnte nur auf dem Standpunkte der naiven Weltbetrachtung entstehen, es ist die Kindheit des menschlichen Geijtes, die die Elemente verkörpert und anbetet; die Bibel dagegen stellt de,l höchsten Standpunkt der Reife dar und schließt dadurch jede «lythologisirende Weltansicht aus. Die Li» tera tur, mit welcher wir uns hier beschäftigen, ist größten Theils