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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1880-01-01 · Heft 1 (Januar 1880) · p. Seite 4

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
29 (1880)
Issue
Heft 1 (Januar 1880)
Article
Verkannte fragende und kategorische Verse in der heiligen Schrift
Date
1880-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Verkannte fragende und kategorische Verse in der heiligen Schrift. erscheint das Frage-.i absorbirt und die Ergänzung desselben הגוזל עיני טגשא giebt mindestens ästhetisch einen bessern Sinn: ״Ist denn mein Vergehen zu groß, es zu ertragen"? Naschi hat mit feinfühligem exegetischen Takt hier den Frage-Sinn erkannt; er bemerkt dabei brachylogisch, wie immer: בהטיה. Diese Umwandelung des kategorischen Satzes in die Frageform giebt auch einen dogmatisch richtigen Sinn. Kain schildert die Folgen der ihm auferlegten Strafe, und darauf ertheilt ihm Gott Verzeihung :;לכן כל הרג קי. Aber aus welchem Grunde? Sieht es nicht aus, als wenn Gott vorher die Folgen nicht bemessen und erst darauf aufmerksam gemacht werden müßte, und dadurch veranlaßt, gewissermaßen sein Strafurtheil bereut hätte? Sollte der Pentateuch einen niedrigen Begriff von der Gottheit habe darstelleu wollen? Ganz unmöglich. In Kain's Aeußerung muß vielmehr die Neue durchgeschimmert haben, und eben deßwegen hat ihm Gott Verzeihung gewährt. Aber dieser Siitn ist nur in dem Verse zu finden, wenn man ihn fragend auffaßt. Mit Recht haben daher die alten Ausleger, ohne sich des syntaktischen Zusammenhanges bewußt zu werden, angenommen, daß in diesem Dialog der Gedanke ausgedrückt ist: Gott gewähre auch dem größten Verbrecher, dem Brudermörder, Verzeihung, wenn er Neue zu erkennen giebt. Hier liegt schon im Keim die von den Propheten so scharf betonte Lehre: Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern seine Reue als Vorstufe zur Besserung. Samuel I, 14,30 אף כי לוא אכל אכל התם העם . . . כי עתה לא רכתה מכה בפלשתים. Wenn dieser hypothetische Vers irgend wie verständlich sein soll, so muß er nothwendig fragend genommen werden. Naschi bemerkt auch hierbei: בהטיה. Aber die Frageform kann nur dadurch hergestellt werden, wenn man &<הל statt לא liest. Das ה ist durch das voraufgehende Wort עתה absorbirt.

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