Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 21)
- Language
- German
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34 Hie Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Totedö. ara^tug. Das Werdende nämlich kann zu dem, was es wird, nur aus einem Andersseienden werden. Freilich aber kann nicht aus jedem Andersseienden Jedes, sondern nur aus einem bestimmten Andersseienden ein Bestimmtes werden. So wird z. B. der Vogel zwar aus einem Nichtvogel ein Vogel, aber nicht aus jedem Nichtvogel, z. B. nicht aus dem Stein oder der Palme, sondern nur aus dem Ei, das, obschon es kein Vogel ist, doch die Fähigkeit hat, Vogel zu werden. Es wird aber das Andersseiende zu dem, was es wird, durch die Negation seiner bisherigen und die Aufnahme einer neuen Form. Ter Entstehung des Vogels geht die Negation des Ei's, die Negation der Unwissenheit dem Entstehen des Wissens und die des Unrechts dem Entstehen des Rechts voraus 1). Diese ganze Lehre von Form und Stoff ist jedoch nur י) Als Schristbeleg für die Lehre von Form und Stoff führt A. b. D. unter Anderem auch Jerem. 18, 1 u. fig. an. Vielleicht hat die Jnterpretation dieser Stelle, nach welcher den Worten: "!NUN כחמר ביד die Lehre von Stoff (חמר) und Form (צורח) zu Grunde liege, zu der bekannten Sage Veranlassung gegeben, Jeremia sei der Lehrer Plato's gewesen. Die aristotelische Lehre von Form und Stoff ist ja in der That nur eine Modifikation der entsprechenden platonischen Lehre. Von der Wissenschaftlichen Ethik, in deren Darstellung A. b. D. vielfach dem Plato folgt (vgl. Einleitung und das letzte Kapitel dieser Abhandlung) behauptet er ausdrücklich, die Philosophen hätten ihre Lehren meist der Schrift entlehnt. Auch die platonischen Seelenträfte findet A. b. D. in einer Stelle des Propheten Jeremia wieder. Vgl. Ein. Ram. S. 46 Text, deutsche Uebers. S. 59. Ueber die erwähnte Sage vgl. Gedalja ibn Jachja. Schalscheleth Hackabalah s. v.חכמי וון; Seder Hadoroth ed. Warschau S. 66 u. a. a. O. Die Annahme, die griechischen Dichter, Gesetzgeber und Philosophen hätten Manches der heiligen Schrift entlehnt, ist freilich, vielleicht durch Philo angeregt, auch schon bei den Kirchenvätern sehr verbreitet. Vergl. z. B. Justinus Martyr. Apolog, I. Cap. 44; Cohortatio ad Graecos Cap. 14, Clemens Alexandrinus Strom. I, 1; das. I, 17-, Pädag. II, 1. Von Plato, der bekanntlich unter den ״heidnischen Philosophen" den Kirchenvätern am meisten Sympathie einflößt, hat sogar auch Augustin eine Zeit lang geglaubt, er fei ein Schüler des Propheten Jeremias gewesen (V6 äoetrina okrist. II. Cap, 29), während er später (De civit.