Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Gedankeninhalt des Psalmes 109
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829500-2829502-2844313--17873-2844326- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
& Der Gevankeninhalt des Psalmes 109. bereits ältere Ausleger smendirt ■גלשו!, so die griechische Version ixßXTjitr^wGav. — B. 11 Eine Wurzel 0קש ist erweislich nicht, zu lesen ״ .יבקשDer Sckuldforderer soll alles Eigenthum suchen". — V. 12 statt r׳~r~ zu lesen להכיח. — V. 16 ist es, welcher die Ausleger verhinderre. das richtige Verhältniß dieses Psalmes zu erkennen. In diesem wird die Verwünschung durch den Umstand begründet, daß der Betreffende kein Gefühl der Liebe gezeigl, Arme und Gebeugte verfolgt habe. Einen solchen Vorwurf könne nur der Länger seinen Feinden gemacht haben, nicht umgekehtt, so meinte man. Aber warum denn nicht? Uns erscheinen die Psalmisten, namentlich die Klagesänger, in Leidensgestalt, die einem Anderen nicht ein Haar gekrümmt hätten. Haben sie ihre Zeitgenoffen aber so angesehen? Erinnern wir uns, daß der Amor des Psalmes 7 sich rechtfertigen zu muffen glaubte, daß er das nicht gethan, wessen ihn seine Gegner beschuldigt hatten, daß nicht Unrecht in seinen Händen ist, daß er seinem Freunde rnät Böses vergolten, und daß er seinen Feind nicht bedränge habe (V. 4—äj. Alles dessen war also dieser Psalmist angeklagr, obwohl er selbst über Feinde und Verfolger klagt. — Erinnern wir uns ferner der Anlage des dichterischen Conflikrs in Hiob. Der leidende Held durfte von sich sagen: ״Der Segen des Unglücklichen kam über mich, und das Herz der Wittwe habe ich jauchzen gemacht. Auge war ich dem Blinden und Fuß dem Lahmen, Vater war ich dem Durstigen — Sah ich einen Unglücklichen ohne Kleid und einen Dürftigen ohne Hülle, da segneten mich seine Lenden, daß er sich von der Wolle meiner Heerden wärmen konnte" (Kap. 29, 2 fg.;31, 13 fg.). Und nichts desto weniger sagte ihm Eliphas ins Geficht: ״Du pfändest deine Brüder ohne Grund und zielst: den Nackten die Gewänder aus . . . Wittwen vertriebst du leer und die Arme der Wauen wurden (von dir) zerschlagen" (32, 5 fg.). Die Zeitgenossen haben öfter eine schlechte Meinung