Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Fabel in Talmud und Midrasch
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 10)
- Language
- German
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36 Die Fabel in Talmud und Midrasch. Von R. Meir heißt es auch in der Mischna Sotah 49: משמת ר' מאיר בעלו מושלי משלים. Sollten iv irkl i ch unter מושלי משלים, wie allgemein angenommen wird, Fabel dichter verstanden sein; so muffen wir dies nur als übertreibenden Schmerzensansruf betrachten, denn wir kennen noch einen Spätern, der ihn in der Fabeldichtung wenigsten S e r r e i ch t, wo nicht gar ü b e r t r o ff e u haben muß. Vom Halbtanaiten Bar Kappara, ver überhaupt als vielfeitiger Dichter in Talmud und Midrasch genaimt und bekannt ist, von dessen Muse sich noch einige herrliche, satirische und elegische, Proben in Talmnd und Midrasch erhalten haben; voir ihm wird Wajikra Rabba K. 28, Koheleth Nabba, K. I und Jalkut Koh. t'. 182 v. erzählt: Als Rabbi Jehuda Hanassi sei. neu Sohn Rabbi Siinon verheirathete, lud er zur Hochzeitstafel alle Gesetzeslehrer, nur Bar Kappara lud er nicht. Dieser, darüber entrüstet, suchte sich damit zu kühlen, daß er heimlich über die Thüre des festlich erleuchteten und von lauten Freudentönen durchrauschten Saales hinschrieb die Worte: אתר שמחתך אתה מאית מה יתרון לשמחתן¬. Rabbi Jehuda Hanassi, dem die über der Thüre angebrachte, auf Verstimmung der §eftoe1;¬ sanrmlung berechnete, Aufschrift bald in's Auge fiel, ahnte sofort, daß dies nur vom tiefbeleidigten Bar Kappara herrühren könne. Und da ordnete er auf den folgenden Tag eine eigene Festtafel zu Ehren des verletzten Bar Kappara an. Die zahlreich gelabeneu Gäste stellten sich zur festgesetzteir Stunde wieder ein, und das Fest ging an. Doch siehe da! Die Gäste hatten schon längst ihre Plätze an der Tafel eingenommen, die Gerichte wareu schon längst aufgetraqen, und noch immer hatte Niemand die Speisen berührt. Die Diener des Hauses nahmen die bereits kalt gewordenen Speisen vom Tische und trugen frische auf. Doch siehe! auch diese kamen wieder so unberührt vom Tische, wie sie auf den Tisch gekommen waren. Rabbi Jehuda Hanassi wußte sich dies nicht zu erklären und äußerte end-