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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1876-01-01 · Heft 1 · p. Seite 25

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
25 (1876)
Issue
Heft 1
Article
Zacharias Frankel
Date
1876-01-01
Page
Seite 25 (sequence 14)
Language
German
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IRI
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Zacharias Frankel. 25 die Seele stolzer Entwürfe voll, knospentceibend wie ein jugendfrischer Stamm ist er vor der Zeit vom kalten Hauch des Todes hingerafft worden. Die Geschichte der religiösen Bewegung im Judenthnm der Neuzeit wird Frankel den Ehrennamen geben: ״Friedensfürst." Ebensoweit entfernt von den Umsturzgelüsten, der imgebändigten Zerstörungssucht der Einen, wie von der gegen alle Forderungen der Zeit sich abschließenden Blindheit und Verstocktheit der Anderen, war er ein Mann der Mitte, vom Geiste der Friedensliebe und der Versöhnlichkeit geleitet und beseelt. ״Aussöhnung des Glaubens mit dem Leben, Fortschritt innerhalb des Glaubens, Erhaltung und Veredelung, Regeneration des Judenthums aus und durch sich selbst, dies ist der Kreis, in welcheni die Bestrebungen sich bewegen müssen", das war seine Loosung der ,,gemäßigten Reform." Durch Erziehung und Neigung dazu geführt, mit liebevoller Zähigkeit an jeder Einzelnheit der altjndischen Ueberlieferung zu haften, verstand er es dennoch, vom Geiste unserer Zeit und ihrer Wiffenschaft bis ins Innerste durchzogen, billigen Anforderungen des Fortschritts in seiner vermittelnden Weise gerecht zu werden. Er war im tiefsten Grunde eine positive Natur. Nicht im Einreißen, sondern im Aufbauen besteht die Reform, war eine seiner Lieblingswendungen. Zu verneinen, zu zerstören, ist leicht, zu behaupten und zu gründen ist schwer, pflegte er gern zu äußern. Er zählt zu den Ersten, die den jüdischen Cultus von den Auswüchsen und Entstellungen aus der leidenreichen Zeit gereinigt haben, aber die Reinigung war mit gleich feinfühligem Verstandniß für die Gegenwart wie ehrfurchtsvoller Scheu gegen die Vergangenheit unternommen. Was er veränderte, that er kraft eigener Einsicht, nicht gedrängt von den Verhältnissen; es war nicht seine Art, dem Zwange folgend in religiösen Dingen Zugeständnisse zu machen. Die Nachgiebigkeit, die er gegen die Zeit gezeigt hat, brauchte ihm nicht abgerungen zu werden, denn

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