Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 15)
- Language
- German
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26 Zacharias Frankel. er war frei von der Furcht der Finsterlinge, dem Unglauben mit ihr Thür und Thor zu öffnen. Ihn beseelte der Glaube an den Bestand des Judenthnms und das Vertrauen auf feine Zukunft in einer Zeit, wo Viele ob all der Zerbröckelung und Zersplitterung, die um sich greift, den Zerfall und Einsturz des Ganzen fürchten. Ein bezeichnendes Beispiel dieses Vertrauens hat er mit der vornehmen Ruhe an den Tag gelegt, mit der er den Laskerschen Antrag über den Austritt aus dem jüdischen Gemeindeverbande aufnahm, von deffen Annahme als Gesetz er keineswegs, wie es wohl allgemeirugeschieht, den Untergang der jüdischen Gemeinden befürchten zu müssen glaubte. Die Wissenschaft und das Leben hatten in gleicher Weise den Glauben an die unverwüstliche Kraft des jüdischen Volkes in ihm genährt und großgezogen. Noch am 27. Januar d. I. hat er zum letzten Male diese Ueberzeugung von der Stätte aus öffentlich geäußert, an der er alljährlich die unter seiner Leitung gereiften Schüler zu entlassen pflegte und von der nun nimmer wieder sein weises und begeisterndes Wort ertönen soll. Er starb im einundzwanzigsten Jahre seiner ruhmbedeckten Wirksamkeit als Direktor des von ihm geschaffenen Breslauer Rabbinerseminars. Von ihm gelten im höheren Sinne die Worte, die er seinem ihm in die Ewigkeit vorangegangeneu Freunde Beer gewidmet hat: ״Er steht als Markstein, als Abschluß einer Zeit, in der, wenn auch nur von Wenigen, gestrebt wurde, umfaffendes jüdisches Wissen mit allgemeiner Wiffenschaft zu verbinden, in der, wenn auch nur um Wenige, sich das Band innigen, auf dem Boden der Religionsliteratur sich aufbauenden Glaubens und freier, unbefangener Forschung in seltener Harmonie schlang." vr. David Kaufmann.