Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Zacharias Frankel. schen und deutschen Rechtscharakters, die nach Mittermäiers bezeichnendem Ausdruck ״mit strenger Consequenz durchgeführte Folgerung aus einem Grundsatz und die die Lebensverhältnisse würdigende Billigkeit, die vermittelnd zwischen das strenge Recht und die Forderungen der Menschlichkeit tritt." Mit einer das talmudische wie das Recht der Griechen und Römer in gleicher Gründlichkeit umspannenden Gelehrsamkeit wurden hier im gerichtlichen Beweis die jüdische Lehre vom Zeugenbeweis wie alle übrigen Beweisarten in geistvoll erschöpfender Weise dargestellt. In der gleichen Richtung hält sich seine Schrift: Grundlinien des mosaisch-talmudischen Eherechts (Breslau 1860). Noch aber hatte er nicht die Halacha in ״jene reichen, wildbrausenden Ströme" begleitet, in die sie nach dem Abschluß des Talmuds sich ergoß. Er hielt ihren Entwickelungsgang mit diesem Abschluß nicht für abgeschlossen, und so sah er denn in ihren späteren Erzeugnissen nicht den unnützen Wust, den die Oberflächlichkeit leicht darin verurtheilt. Die Grundgedanken für die Durchleuchtung und wissenschaftliche Befruchtung auch dieses überwältigenden Stoffes hat er in seinem ״Entwurf einer Geschichte der Literatur der nachtalmudischen Responsen" (Breslau 1865) niedergelegt. Frankel hatte die Entwickelung der Halacha von den Ansängen bis zu den Ausläufern verfolgt, was Wunder, daß er nun, nachdem er fleißig den Acker durchpflügt und durchfurcht hatte, leicht Rechenschaft von der Natur, und den Grenzen desselben geben konnte. Die Mischna, die beiden Talmuds, der alte Midrasch waren emsig von ihm durchforscht und ausgenützt worden, nach Länge und Breite hatte er das unabsehbare Ge׳ feiet durchmessen, mit sicherer Hand konnte er nunmehr an dessen Beschreibung herantreten. 1859 erschien seine Einleitung in die Mischna (Hodegetiea in Mischnam librosque cum ea conjunctos Tosefta, Mechilta, Sifra, Sifri. Leipzig, Hunger). Auf den Rath des damaligen Seminarlehrers, nunmehr Ober-