Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829472-2829474-2844175--16594-2844213- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
16 Zacharias Frankel. bestehen, das Bürgerrecht konnte den Juden nicht verliehen werden, weil man in den Unterthaneneid, den sie hätten schwören müssen, kein Vertrauen setzen zu dürfen glaubte, die Veränderung der Judengesetze, die immer heißer begehrt wurde, verschob die Regierung aus Mangel an ״Muße" von Jahr zu Jahr; die Zustände der sächsischen Judenschaft waren unerträglich. Da sollte der Talmud, der oft zu Anklagen gegen die Juden hatte herhalten müssen, ihre Vertheidigung übernehmen. Frankel überreichte der Regierung seine in durch gebildeter Form gehaltenen, von gediegener Gelehrsamkeit getragenen Gutachten. Bald gewann er die Minister und den hochsinnigen. Prinzen, nachmaligen König Johann und schon am 22. November 1838 wurde ״Alles, was den Juden verletzen, was als Zeichen des Mißtrauens ihn kränken konnte, bei dieser Eidesleistung weggeräumt." Ein bleibendes Resultat dieser Bemühungen ist in seinem culturgeschichtlich bedeutenden Werke: die Eidesleistung der Juden in theologischer und historischer Beziehung (Dresden und Leipzig, Amold 1840) uns erhalten. Am 21. Juni 1838 wurde bereits der Grundstein der neuen Synagoge gelegt, es ״war der erste große Tag, der den Juden Sachsens anbrach, an ihm ging ihnen die religiöse Freiheit auf." Am 8. Mai 1840 mar es ihm vergönnt, ״angesichts sämmtlicher Staatsminister, der Mitglieder beider damals zu Dresden tagenden Kammern, der Hoschargen, der fremden Gesandten, der Generalität, der Präsidenten der verschiedenen Rathscollegien, der höheren Geistlichkeit, Deputationen des Magistrats u. s. w." sie einzuweihen. Unter der Leitung dieses unerschrockenen Vorkämpfers nahm die Gemeinde nach allen Richtungen hin einen solchen Aufschwung, daß der Minister von Wietersheim 1846 in der zweiten Kammer erklären konnte, ״er kenne in Sachsen keine Gemeinde von 700 bis 800 Seelen, welche so viel für den Cultus und die Verbesserung des Unterrichts leiste, als die israelitische Gemeinde zu!Dresden." Aber noch galt es, ein Vorurtheil in deutschen