Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 4)
- Language
- German
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Zacharias Frankel. 15 unb Aufgaben von allem Anfang so klar wären erfaßt worden, bas gleichsam mit einem Wegweiser zur Welt gekommen unb von den Verhältnissen so sehr wäre begünstigt gewesen, wie bas Frankels. Er wurde am 1. Oktober 1801 in Prag geboren, einer Stabt, die zur Förderung der Richtung, für die er sich bestimmen sollte, wie geschaffen war. Eine uralte jüdische Gemeinde, der ehrwürdige Stammsitz talmudischer Gelehrsamkeit, war Prag dennoch nicht mehr so finster, daß nicht auch ein Strahl der Erleuchtung und mit ihni das Erwachen des in den Juden allezeit schlummernden Bildungstriebs in das Ghetto gedrungen wäre. Von beiden Eltern her seit uralter Zeit im Judenthum angesehenen Familien entstammend, wurde Frankel früh in das jüdische Schriftthnnr eingeweiht, in dem sich der Knabe bald eine vielbewunderte Kenntniß aneiguete. Aber auch die allgemeine Bitdüng blieb ihm nicht verschlossen und in tüchtigen Gymnasialstudien legte er hier bereits den Grund zu seinem nachmals so glänzend verwertheten klassischen Wissen. Auf der Universität Pest setzte er vier Jahre lang die begonnenen Studien fort, trieb daneben noch mit Eifer Mathematik, und kehrte 1831 mit der philosophischen Doktorwürde nach Präg zurück. Im Frühling 1832 folgte er einem Rufe als Leitmeritzer Kreisrabbiner nach Teplitz. Hier erklangen aus feinem Munde in Böhmen wohl zuerst die Töne einer vollendet deutschen Predigt, dnrchzogen vom Geiste jüdischer Schriftweisheit, hier reinigte er zuerst den Cnltus von den Schlacken der traurigen Vergangenheit. Hier war es ihm aber auch durch Anfragen, welche die Regierung an ihn richtete, bereits vergönnt, auf jene Wirksamkeit sich vorznbereiten, die ihn später auch als Kämpfer berühmt gemacht hat. Schon hier beginnen seine Untersuchungen über den Judeneid. 1836 ging er als sächsischer Oberrabbiner für Dresden und Leipzig nach Dresden, wo Kämpfe und Sorgen den friedsamen Gelehrten erwarteten. Ein öffentliches jüdisches Gotteshaus durfte hier ebensowenig wie eine jüdische Lehrschuls^