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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1876-01-01 · Heft 1 · p. Seite 14

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
25 (1876)
Issue
Heft 1
Article
Zacharias Frankel
Date
1876-01-01
Page
Seite 14 (sequence 3)
Language
German
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14 Zacharias Frankel. Erz in all den Schichten sich eingesprengt finde, und so sucht und findet jeder ein Anderes. Aber wie es immer zu sein pflegt,mußre auch hier-im Leben untergehn, was in der Wissenschaft sollte weiterleben; dem Schriftthum, das man erforschte, stand man gegenüber wie einem Ueberwundenen und Abgestorbenen. Das aber, was das geistige Leben der jüdischen Vergangenheit ausgemacht und unterhalten hat, war der Talmud, der keinem sich erschließt, der fremd ihm gegenüberstehen möchte. Diesen Lebensstrom des jüdischen Volkes kann nur der ergründen, der niedergetaucht ist in seine Tiefen, von seinen Wellen sich hat erfassen und fortreißen lassen, nimmermehr aber derjenige, welcher seine Ufer umwandeln oder seine Oberfläche flüchtig besahren möchte. Und das wollte man. Ueber den Talmud forschte man, aber nicht in ihm, und dann blieb er eben unerforscht. Und so hätte die Wissenschaft, ob auch Einzelnes in Angriff genommen und erforscht wurde, und der Eifer der Untersuchung bereits rege geworden war, der Erkenntniß und Gesammtauffasjung des in seinem Einflüsse auf das jüdische Geistesleben und dessen Geschichte unendlich wichtigen talmudischen Geistes verlustig gehen müssen, wenn sich nicht ein Mann gefunden hätte, der, mitten in dem Gedankenlebendes Talmuds stehend, seine Pflege und Ausbauung mit der gleichen absichtslosen Hingebung wie die Alten betrieb und dennoch mit der allgemeinen Wissenschaft zugleich so innig vertraut war, daß er den Talmud sich auch als Gegenstand wissenschaftlicher Erforschuug gegenüberstellen konnte. Der Mann, der so gleichsam eine Spaltung in seinem Geiste vornahm, den Talmud als die Nahrung seines Wissensdurstes und seiner hingebungsvollen Empfänglichkeit in alter Weise betrachtete, zugleich ihn aber auch in moderner zu dem Arbeitsfelde seiner wissenschaftlichen Schöpferkraft machte, hat am 13. Februar d. I. im vierundsiebzigsten Jahre zu Breslau sein Leben beschlossen; es war Zacharias Frankel. Es giebt wohl selten nur ein Gelehrtenleben, in dem Ziele

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