Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zacharias Frankel
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Zacharias Frankel/ 18 von dem Geiste genährt und erleuchtet, der einst vom Sinai ausgegangen, an den Strömen Babels auferstand. Und wie sie von Kunst und Wissenschaft überhaupt abgeschlossen waren, so konnte auch nicht einmal ihre eigene, die jüdische Wissenschüft, unter ihnen aufblühen. Denn dann erst kann eine Wissenschaft von seinem Schriftthum in einem Volke entstehen, wenn sein Selbstbewnßtsein am Gegensatz zu fremden Literaturen sich entzündet hat. Woher sollte aber den Juden dieses Selbstbewußtsein kommen? Und daß es nur dieser Mangel an Berührung und Reibung mit fremden Gedankenkreisen, nicht aber Unfähigkeit oder Lichtscheu war, was am Ende des Mittelalters und in einem großen Theile der Neuzeit das Aufkommen der jüdischen Wissenschaft zurückhielt, das lehrt am Sprechendsten die mit der Kraft eines zurückgedämmten Bergstroms hervorbrechende Entwickelung derselben in unserem Jahrhundert. Wie mit Einem Schlage hob sich da die Decke von dem Schacht der Jahrhunderte, allerorten regte es sich und wimmelte von Schaaren neuerstandener Arbeiter, immer tiefer drangen die Stollen, in allen Gängen schallte es hell und munter von den Hämmern rüstiger Bergleute, und bald lag das edle Erz zu Tage oder funkelt« farbig und blitzte, zu köstlichem Geschmeide wohlbearbeitet, in dem Behältniß der Wissenschaft, den Riesenarbeiten eines Rapoport und Zunz. Da lag nun, unbenutzt und unberührt, das geistige Erbe der Vergangenheit, tausend Hände griffen zu und was die Hand hervorholte, war neu, war unbekannt, eine Entdeckung. Bald trat eine Theilung des Schatzes ein. Den Einen reizte, es, die Sprache zu erforschen, in denen dies Gut uns überliefert ist, die Wortgebilde zu prüfen, die fremden Eindringlinge zu untersuchen auf ihre Bedeutung und Abstammung zu achten, den Anderen, mehr dem Geiste zu folgen, hinzuhorchen, ob nicht eine tiefere Bewegung in all den hingegangenen Geschlechtern sich erlauschen läßt, ein Dritter späht nach Aehnlichkeiten und Berührungen mit anderen Literaturgebieten, forscht nach, ob nicht manches fremde