Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Studien über die Tosifta I
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
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Studien über die Tosifta. 27 Daß mit Nisan auch das biblische Jahr beginne, will die Tosifta Alinea 3. begründen; indeß ist dieser Passus zu corrumpirt, als daß wir keine Emendationen vornehmen müßten. Die bisher gemachten Versuche führen zu keinem Ziele; nach meinem Dafürhalten muß man die Stelle durch die Worte ואע״סי שאין ראיה לדבר וכר לדבר בחדש הראשון היא חרש ניסן — eine Begründung, die tri der Tosifta öfter vorkommt — aus Mechilta Exod. 12, 2 ergänzen. Ter babylonische Talmud kennt weder diese Tosifta noch diese Mechilta, dagegen wird jer. 1, 1 eine Boraitha Samuel's citirt, welche nicht blos für das biblische, sondern auch für das bürgerliche Jahr den Exodus als Ausgangspunkt aunimmt. Laß diese Boraitha mit unserer Mischna nicht übereinstimmt, hat weiter nichts auf sich,') aber befremdend bleibt es, daß sie sich auch in Mechilta zu יחדו findet, obgleich diese das bürgerliche Jahr mit Tischri beginnen laßt, und noch befremdender muß es erscheinen, daß im Sifre zu בהעלותך der Mischnaredacteur selbst als der eigentliche Autor dieser sogenannten Samuel'schen Boraitha angeführt wird. Man kann daraus nur ersehen, wie die Amoräer einerseits selbst wichtige Boraitoth nicht im Gedächtniß behalten und wie schwer sie andererseits Boraitoth, die jedwede Bedentung eingebüßt, vergessen konnten. Alinea 4 lautet: כיצר לתרומת שקליכס כל קרבנות ציבור קריבין בא׳ בניסן אט בא חדש בזמנו קריבין מן החדשה ואט לא! קריבין מן הישנר־'.. Dieser Passus scheint mit der p. 7 citirten Boraitha: ל,רבנות ציבור הבאין באי בניסן מצור, להביא מן החרש rakter einer Mischna zu reiten gilt, diese Ansicht geltend macht, wahrend Rab Aschi jede Mischna nur einem Autor zu vindiciren sich bemüht, vgl. Megilla 9b, Schebuoth 4a, Chulin 84a, 104a, ') Widersprüche zwischen der Mischna und den Boraitoth als scheinbare lösen z» wollen, kann mir Sache der pilpulistischen Dialektik sein; von wissenschaftlichem Standpunkte aus haben solche Widersprüche in den meisten Fällen keinen andern Werth, als der Gegensatz, welcher zwischen einem Majoritäts-Beschluß und einem Minoritätsvytum obwaltet.