Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 1
- Article
- R. Abraham b. David aus Posquières
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829444-2829446-2844042--15247-2844081- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
26 R. Abraham b. David aus Posquisres. Bemerkung desselben, in der er ans den Widerspruch eines traditionellen Gesetzes und einer Bibelstelle aufmerksam macht. ') Nach dem Talmud durfte nämlich der Hohepriester nicht zwei Frauen heirathen,a) während doch die Bibel (2 Chr. 24, 3) ausdrücklich erzählt, daß der Hohepriester Jo jad a zwei Frauen geheirathet hat. Den Schriftvers mit den späteren Commentatoren dahin deuten, daß Jojada die zweite Frau erst nach dem Tode der ersten geheirathet habe, hieße dem geraden Wortsinn der Bibel Gewalt anthun. Die betreffende Halacha im Talmud ist vielmehr jiingern Ursprungs. 3) Abraham b. David weist uoch auf einen andern ähnlichen Widerspruch hin, dabei klammerte er sich aber an den Buchstaben des Schriftverses, während die Tradition mehr auf dessen Geist eiuging. Die Bibel (Ex. 22, l—2) sagt nämlich: ״Wenn der Dieb beim Einbrüche betroffen wird und er wird geschlagen und stirbt, so ist seinetwegen keine Blutschuld. Wenn die Sonne über ihn aufgegangen, so ist seinetwegen Blutschuld." Der letztere Vers ist nach der Traditionnicht buchstäblich, sondern bildlich zu nehmen, wenn es sonnenklar^) ist, daß der Dieb keinen Mord beabsiclckigt hat, indem z. B. Zeugen bei seinem Einbrüche waren, so ist!?inetwegen Blutschuld. Dieser Tradition folgend umschreibt das T arg um Onkel os den letzten Vers durch die Worte: ״Wenn Zeugen den Dieb gesehen haben." Abraham b. David Wort רחום als Apposition zu litt betrachtete und darunter Gott verstand, v. Rasch, zu St. Nach Jbn Esra bezieht sich das רחונם auf den gerechten Mann, dessen Lob verkündet wird, und Vieser Ansicht folgte wohl Maimuni. Dagegen ist iedoch der Talnwd Schebuot p. 356 הכי השתארותבם ביון דליכא מידיאחרינא דאיקרו רחוכם וחכו. ה׳ איסורי ביאה (י xyii, 13. *) Jcbamot!>. 59 und Joma p. 13. 3) Aus Mischna Joma o. 1, 1 folgt das Gegentheil und der Sifra zur Stelle kennt die Deutung des Talmuds nicht, obwohl er die anderen Deutungen zu den angeführten Schriftstellen bringt. (Der V. in Chr. bezieht sich auf den König I o a s ch und nicht auf Jejada. Anmerk, d. N.). *) v. Mechilta Abschnitt משפטים Sanhedrin p. 72a.