Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 23 (1874)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Anklageartikel gegen den Talmud und ihre Vertheidigung durch Rabbi Jechiel ben Joseph vor Ludwig dem Heiligen in Paris
- Date
- 1874-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 5)
- Language
- German
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14 Die Anklageartikel gegen den Talmud und ihre Vertheidigung sie wollten mit ihm nie, am allerwenigsten zur Zeit dieser Disputation Proselyten machen, was künimerte es also Andere, wenn Thorheiten darin enthalten wären. Solche waren es wahrlich nicht, die ben Juden den Sinn für das mittelalterliche Christenthunl verdunkelten; im Gegentheil hätte nian ihnen auferlegen sollen, all' diese Fabeln und Allegorien buchstäblich zu glauben, dann wären sie vielleicht eher reif gewesen, das Christenthuni des Mittelalters anzunehmen, daß zahllose unsinnige Heiligenlegenden zu Glaubensartikeln erhoben hatte. Die Thorheiten, der Unglaube — über die Reinheit des jüdischen Glaubens hatte ja die Inquisition nicht zu wachen — , die waren es nicht, welche den Grimm des heiligen Tribunals gegen dies Buch heraufbeschworen. Zuerst war es die Hoffnung, hier zu finden, was den Juden eine Schranke bildete, in das Christenthum, den angeblichen Weiterbau des Judenthunrs, einzutreten, und dann waren es die Blasphemien, die ihnen Donin dort gegen Jesus und seine Mutter Maria zu zeigen glaubte. Der oben angeführte französische Schriftsteller sagt daher auch ganz offen und ehrlich (S. 193 ibid). ״Ein einziges Buch hätte sie (die Angreifer) gelehrt, daß dies der Styl und der Genius der Orientalen ist, welche so in das Aeßerste fallen, indem sie zu harte Metaphern anwenden, und diese Figur fortwährend anwenden .... Die Juden haben es darin nicht anders gemacht als manche Evangelten, die Jesus das albernste Zeug andichteten." Die Geschichte dieser ersten Talmudverbrennung, die, wie wir später sehen werden, von einenl Papste nicht gebilligt, vom Könige und Erzbischöfe bekämpft wurde, machte es nöthig, eine genaue Untersuchung oder doch eine ausführliche Anklage gegen dies Buch zu erheben und dieser Aufgabe unterzog sich der Haupthetzer in der ganzen Angelegenheit, der genannte Apostat Donin mit vielem, einer besseren Sache würdigen Eifer. Lewin hat Unrecht, wenn er aus dem Umstande, daß Donin die Abfassung des Talnmds irrthümlich vier Jahrhunderte vor sich stellt, dietalmudische