Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Septuagintal-Codex des Ulfilas
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 2)
- Language
- German
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Der Septuagmtal-Codex des Ulfitas. 43 Indem wir uns hierin vorläufig nicht entscheiden wollen, leuchtet doch ein, daß bei einem so hohen Alter der vorliegenden Uebersetzung, und bei dem Umstande, daß die maßgebenden Codices ‘) sämmtlich aus dem Ende des 5. oder doch aus dem Beginne des 6. Jahrhunderts stammen, diese Uebersetzung ein reiches Hülfsmaterial zur Kritik des uns wesentlich in 3. Codices 2) erhaltenen Septuagintaltextes bieten würde. Leider war aber bis zu Beginn dieses Jahrhunderts jede Spur der Ulsilas-Uebersetzung zum A. T. verloren, und weder der in Upsala befindliche Codex argenteus, noch der Carolinus in Wolfenbüttel hatten für die Exegeten des A. T. mehr als historischen Werth. Erst im Jahre 1817 wurden in der ambrosianischen Bibliothek in Mailand fünf Palimpseste hergestellt, wovon der eine (der 4.) unter lateinischen Abhandlungen auf vier kleinen 4» Setten Neh. 5, 12—18 und 6, 14—7, 3, auf zwei anderen Seiten Esra 2, 8—42 enthält. Auf den gleichzeitig entdeckten Skeireins (״Erklärungen") fanden sich am Rande zwei Halbverse aus den Psalmen (52, 2 und 3). Bald wurde auch in Wien eine aus Salzburg stammende Handschrift aus dem 9. Jahrhundert bekannt, die in der kaif. Bibliothek (Salisb. 140, olim 71) aufbewahrt wird und unter Runen auch die gothische Uebersetzung von I. Mose 5, 3—23, 25—28, 30, 32, enthält. Dies sind außer einigen Maten die einzigen Ueberreste des ganzen von Ulfilas übersetzten A. T. Was die Palimpseste betrifft, so werden sie in die Zeit jener großen Codices gewiesen. Die wiener Bruchstücke bieten zwar auch genug Interesse, um genauer beachtet zu werden, namentlich da an den erhaltenen Stellen bedeutende Differenzen zwischen der LXX und Vulgata sind, und die Ulsilasübersetzung trotz der verhältnißmäßigen Jugend des Cod. sich genau an die 0' hält. Wir wollen im Folgenden aber zunächst nur die Esraüberreste einer genaueren Prüfung unterwerfen, weil hier die Resultate am klarsten und einleuchtendsten zu Tage treten. Die Untersuchung ') Codex «argenteus , Codex Carolinus und die 5 ambrosianischen Palimpseste. JLJ) Vaticanus Alexandrinus Sina'iticus.