Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Rabbinische Agada's in 1001 Nacht
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 20)
- Language
- German
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Ein Beitrag zur Geschichte der Wanderung orientalischer Mährchcn. 33 fange nschaft führte. Eines Tages saß der Fromme am Ufer eines Flusses, an dein viele Schlangen und Skorpionen hausten itnd gedachte seines früheren Neichthums und seiner gegenwärtigen Verlassenheit. Dn weißt es, 0 Herr! — sprach er weinend, — daß der Tod meinem Leben vorzuziehen ist und wollte sich in den Strom werfen. Beim Anblicke der von den Schlangen getödteten Menschen hielt er erschrocken ein und sah eine Gestalt, die ihm zurief: Sei nicht verzagt, seit Jahren liegt ein großes Vermögen für Dich in Bereitch aft, jetzt ist Deine Zeit gekommen, Gott hat Dich zu einem hohen Amte bestimmt, weil Du den Namen Gottes nicht entweiht und D i ch v o n j e d e r E id es le i stun g und Umgehung des väterlichen Gebotes fern hieltest, geh und nimm das Geld. Der Mann nahm das vorhandene Geld an sich, miethete Arbeiter, ließ große Paläste und ganze Städte bauen, wurde zunr König erhoben und schließlich vereinigte ihn Gott auf wunderbare Weise mit seiner Frau und feinen Kindern, die er zu Königen und hohen Beamten beförderte. Er übte Wohlthätigk e i t und war Gott für seine Gnade dankbar. Was bewirkte diese günstige Wendung seiner Geschicke? Daß er selbst einen wahren Eid nicht leisten mochte. Der Herr spricht: Selbst die Engel preisen meinen Namen mit heiliger Scheu und wie kannst Du, o Menschensohn, genährt von den Gaben meiner Huld, Dich vermessen, meinen Namen vergeblich auszusprechen?" Der Umstand, daß in 1001 Nacht der Held der Erzählung imd die ihn bedrängenden Gläubiger ausdrücklich als Israeliten bezeichnet werden, beweist, daß die arabische Erzählung aus der hebräischen geflossen ist. Der weit ausgesponnene Schluß in 1001 Nacht ist wol Zuthat des arabischen Erzählers, wenn nicht angenommen wird, daß beide Erzählungen einer dritten gemeinschaftlichen Quelle entstammen. Diese Annahme ist um so eher zulässig,, als der Midrasch zum Dekalog außer der eben besprochenen noch einige Erzählungen enthält, welche in dem großen Corpus der Midraschim nicht wiederkehren und durch Sprachgefüge und Inhalt einen fremden Ursprung vermuthen lassen. Wenn die Erzählung in jüdischen Kreisen früh verbreitet gewesen Frankel, Monatsschrift, xxu. 1. 3