Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Rabbinische Agada's in 1001 Nacht
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 18)
- Language
- German
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Ein Beitrag zur Geschichte der Wanderung orientalischer Mährchen. 31 in die Arme und sagte: ״Bei Gott, Du bist mein Bruder!" Sie erzählten dann einander noch Vieles, was ihnen in der Jugend widerfahren, und ihre Mutter hörte Allem zil, aber sie nahm sich zusammen und verrieth sich nicht. Als der Morgen leitchtete, sagte ein Bruder zum andern: ״Laß uns jetzt nach Hause gehen und zu Hause weiter plaudern." Bald nachher kam der Kaufmann wieder und fand seine Frau sehr angegriffen. Er fragte sie, was ihr zugestoßen. Sie antwortete: ״Du hast mir diese Nacht zwei Männer geschickt, die von mir etwas Schlechtes wollten, so daß ich sehr aufgebracht gegen sie bin." Der Kaufmann ging ganz zorisig zum König und erzählte ihm, wie sich seine Vertrauten gegen die Frau benommen. Der König, der sie wegen ihrer Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit sehr liebte, ließ sie sogleich rufen, auch nach der Frau schickte er, damit sie erkläre, was die Männer verschuldet haben. Als die Frau erschien, sagte ihr der König: ״Was hast Du Schlechtes von meinen Vertrauten gesehen? Die Frau sagte: ״O König, ich beschwöre Dich bei den! allmächtigen Gott, bei denr Herrn des Himmels! befiehl ihnen, das Gespräch zu wiederholen, daß sie diese Nacht mit einander geführt." Ans dem Befehle des Königs erzählten sie wieder einander die Geschichte ihrer Trennung. Da stand der König vom Throne auf, fiel über sie her, umarmte sie und schrie: ״Bei Gott, ihr seid meine Söhne!" Hierauf nahm die Frau ihren Schleier von: Gesicht und rief: ״Und ich, bei Gott, bin ihre Mutter!" So blieben sie denn beisammen und lebten in Glück und Freude, bis sie der Tod erreichte. Gepriesen sei der, welcher den Diener rettet, der sich zu ihm wendet nnd den nie beschämt, der auf ihn sein Vertrauen setzt. Dieselbe Geschichte ist in kürzerer Fassung im Midrasch zum Dekalog (מררש עשרת הדברוח, m Jellinek's Beth. Hamidrasch I, 72) zu lesen und lautet in der Uebersetzung also: Ein sehr reicher Mann wollte nie einen Eid leisten. Kurz vor seinem Tode rief er seinen Sohn herbei und sprach zu ihm: Schwöre nie einen Eid, weder einen falschen noch einen wahren; denn ich verdanke meinen Neichthum nur den: Umstande, daß ich mich von jedem, selbst einem wahren Eide fern gehalten habe. Deßhalb ließ Gott zu allen Zeiten alle meine Geschäfte wohl gelingen. Der Sohn ver-