Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Rabbinische Agada's in 1001 Nacht
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 5)
- Language
- German
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18 Rabbinische Agada's in 1601 Nacht. mittel nach Hause. Als der Mann eines Tages nach vollendeter Arbeit in einer Straße umherging, wo er Käufer suchte, sah ihn die Frau eines vornehmen Weltmannes und fand ihn so schön und ehrwürdig, daß sie sich leidenschaftlich zu ihm hingezogen fühlte. Da ihr Mann gerade abwesend war, sagte sie zu ihrer Dienerin: ״Kannst Du vielleicht ein Mittel erfinden, den Mann, der da vorübergeht, hereinzubringen und zu veranstatten, daß er unbemerkt die Nacht bei mir zubringe?" Die Dienerin ging zu ihm auf die Sttaße, rief ihm nach, sie wollte ihm Etwas abkaufen, und lockte ihn so bis zur Hausthüre. Dann sagte sie zu ihm: ״Komm herein, setze Dich auf die Bank hier, daß ich Deine Waareu meiner Herrin zeige, damit sie aussuche, was sie zu kaufen wünscht." Da der Mann kein Mißtrauen hegte, folgte er der Dienerin ins Haus, ohne irgend ein Uebel zu befürchten. Aber kaum hatte er sich niedergesetzt, verschloß die Dienerin die Hausthüre und ihre Herrin kam aus ihrem Geinache, zog ihn zu sich hinein und sagte: ״Wie lange wünsche ich schon mit Tir allein zu sein! Mit welcher Ungeduld erwartete ich diesen Augenblick! Sieh, das Zimmer ist beräuchert, das Essen ist bereit, der Herr des Hauses kommt heute Nacht nicht nach Hause, und ich liebe Dich von ganzem Herzen. Wie manche Könige und Große und Reiche haben schon um meine Liebe sich beworben; aber Du bist der erste Mann, dem ich eine solche Gunst bezeige. Die Frau sprach noch Vieles in diesem Sinne, aber der Mann hob seinen Kopf nicht in die Höhe, weil er vor Gott sich scheute und eine schwere Strafe befürchtete. Als er aber kein Mittel sah, sie los zu werden, sagte er: ״Ich habe eine Bitte an Dich." — ״Worin besteht sie?" — ״Gieb mir reines Wasser und laßmich aufderTerasseDeinesHauses waschen und Etwas verrichten, was ich Dir jetzt nicht sagen kann." — ״Das Haus ist groß und hat der verborgenen Winkel gar viele, sowie auch ein Reinigungszimmer, Du brauchst nicht auf die Terasse zu gehen." — ״Ich muß den höchsten Platz im Hause besteigen." Da rief sie eine Dienerin und sagte ihr : ״Geh mit dem Manne auf die Terasse des Hauses und nimm ein Waschdecken voll Wasser mit!" Als der Mann auf der Terasse war, wusch er sich, betete, blickte dann auf die Straße hinunter und merkte wohl, daß, wenn er hinunterspringen wollte, er zerstückelt