Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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©atemton Ludwig Steinheim. 13 Steinheim mar so wenig romantisch, daß er antike und moderne, Mische und christliche Mystik auf's Schärfste befehdet hat, und in All und Jedem, besonders aber in staatlichen und kirchlichen Fragen entschieden dem Fortschritt zngethan war. So wenig paßt für ihn das Beiwort exclusiv, daß im Gegerrtheil man es ihm als Schwäche vorhalteil kann, er habe den gesunden Menschenverstand zu frei walten lassen, und die Thatsache des unmittelbaren Bervußtseins ohne Weiteres hingenommen. Vom Rationalismus freilich etwas zu halten, ist nach Kant nur dem möglich, der dessen Werke nicht gelesen hat, utld wenn er noch immer etwas gilt, so kötrnte das höchstens beweisen, wie lange die Gespenster längst Verstorbener und Begrabener noch ihren Spuk treiben, und so hat St. auch auf die zeitgenössischen Reformversuche geringschätzig herniedergeblickt," weil sie, wie Geiger sehr richtig herausfitldet, ein Produkt des von ihm verabscheuten Rationalismus waren." Von den Stimmführern des modernen Judenthums trifft sein Zorn jedoch die Mystiker zuerst, den Vers, des biblischen Orients; unbefangener urtheilt er über S. R. Hirsch, — nur glaubt er nicht am Erfolge desselben, ״denn der Mensch erträgt kein Martyrium so schwer, als das des Lächerlichen." Jndeß auch vom Nationalismus, ״der schon alle Spuren von Runzeln des Alters zur Schau trage," der trivial und unmodern geworden sei, erwartet er natürlich kein Heil. Dagegen ist der ״würdige Repräsentant des altrabbinischen Judenthums, der gelehrte vr. Sachs in Berlin" ein Gegenstand seiner lebhaften Achtung, denn bei ihm und ähnlich wirkenden Persönlichkeiten trägt das Judenthum nicht den Mantel irgend eines Philosophems, sondern sein ureigenes Gewand. Auch Steinheim ist uns zuvörderst deswegen werth, weil er das Judenthnm in seiner Eigenart zu begreifen sich abmüht. Unsere Skizze hat nicht den Zweck, die Lektüre seiner Werke überflüssig zu machen, sondern zu ihnen hinzuführen; deshalb haben wir bei der Beurtheilung seiner philosophischeu Leistungen nur die tvichtigsten Moniente herausgeho-