Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Salomon Ludwig Stemheim. wenn er Glauben verlangt, so ist es der Glaube des Natnrforschers an die Erscheinungen, die er mit den Sinnen wahrnimmt, die nCönc, die nach Aristoteles zu Allem nöthig sei. Steinheinr meint, was.man wahrnimmt, das bedürfe keines Beweises, sa das trotze jedem Gegenbeweise. Er tadelt es an Maimuni, daß er von einer Pflicht zum Glauben rede, ist jedoch weit entfernt,. ihn, wie Geiger glaubt, für einen beschnittenen Heiden zu halten, nimmt ihn vielmehr gegen den Vorwurf in Schutz, als habe er die prim» materia der Griechen angenommen, und zeigt hierbei doch eine gewisse Einsicht in dessen System, die ihm Geiger völlig abspricht. Wenn Steinheim gegen eine Verquickung von Philosophie und Religion energisch ankämpft, so darf er darum doch nicht als ein Vernunftfeind bezeichnet werden; diese Vermischung zweier Disciplinen, welche wol in achtungsvoller Freundschaft, aber niemals in völliger Gemeinschaft zu leben haben, wird jetzt überall zurückgewiesen. Schwärmt vr. Geiger wirklich so lebhaft für Philo's Platonisiren, für Maimuni's Aristotelisiren? Die Religion muß aus sich selbst, nicht aus irgend einem System begriffen werden. Wenn Steinheim mit Philo verglichen wurde, so galt dieser Vergleich seiner geistigen Potenz, nicht seiner geistigen Richtung. Steinheim hält, wie jeder kräftige Denker auf dem Gebiete der Wissenschaft gar nichts von der Aussöhnung der Gegensätze. Es ist kein Gewinn, wenn der Eine behauptet, zwei mal zwei sei vier, und der Andere zwei mal zwei sei sechs, vermittelnd zu sagen: zwei mal zwei ist fünf. Steinheim wird nirgend schärfer im Ausdruck, als wenn er auf Philo und Aristobul zu sprechen kommt. So sagt er : Offenbarungslehre II, 256: Wir werden durch Sigwart in den durchaus irrthiimlicheu Wahn versetzt, als ob jene alexandrinischen, neuplatonisch-hellenischen Philosophen eine mächtige Autorität für's Judenthum gewesen seien, da man sie doch von je bis jetzt mit dem höchsten Mißtrauen belohnt hat. Sie schliffen und