Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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Salomon Ludwig Steiuhemi. 9 Und endlich die Hanptsache; wenn man Geigers Worte liest, unwillkürlich kommt man stt der Meinnng, Steinheim habe ganz abstruse Lehren vorgetragen, habe die Vernunft gefesselt nach der Weise der Scholastiker und Infallibilisten. Und das sollte der Mann gethan haben, der Kant und Lessing fast auf jeder Seite citirt. Das kann wol kaum seine Nichtigkeit haben. Da lesen wir z. B. S. 70 seiner ״Offenbarung nach dem Lehrbegriff der Synagoge" : ״Es ist rnithin die Gefangennehmnng der Vernunft als eine empörende Mißhandlung des erhabensten Gotteswerkes, als eine Verdumpfung und Bethörung der Menschenseele, eine abzuweisende Methode der Gewalt." Steinheim sagt einfach, der Naturforscher läßt gelten, was er mit den Sinnen wahrnimmt, mag er es nun erklären können oder nicht. Die Vernunft zwingt sich selbst zu dieser Anerkennung des Unerklärlichen, weil sie es als thatsächlich wahrnimmt. So sei es auch mit der menschlichen Freiheit, die Keiner erklären kann, und Jeder anerkennt. Und was sind denn das für Dogmen, die uns Steinheim aufhalsen will! Ist er etwa unter die Chassidim gegangen und predigt die Jnfallibilität ihrer Rabbi'S! Es ist die Schöpfung aus Nichts und die Freiheit des Willens. Wenn einer nur das lehrt, so hat er doch seinen Dogmenvorrath ziemlich knapp zugemessen und von einem geistigen Uebertritt in das Lager des Christenthums kann dabei um so weniger die Rede sein, als Steinhcim die letzten zwei Bände seiner Offenbarungslehre fast nur mit Polemik gegen das Christenthum ausfüllt. Steinheim das Augustin'sche: oreclo, quin absuräum vorzurücken, ist doch eine solche Verkennung dieses freisinnigen Denkers, daß sie an das Unmögliche streift. Wenn irgend einer,׳ so hat er den gesunden Menschenverstand respeetirt und ihn gerade gegen die deducirende Vernunft zu Hilfe gerufen, die die Willensfreiheit wegbeweisen will; er will die Theologie zum Rang einer exakten Wissenschaft erheben und