Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 Solomon Ludwig Stemheim. lichkeit ihre Vorrechte entgegen halten dürfe; weniger kränkte ihn, daß der ganzen Genossenschaft, welcher er angehörte, das Recht verkümmert werde; er fühlte sich höchstens zu ihrer Vergangenheit, aber nicht zu ihrer Gegenwart hingezogen; er redete sich ein, bcgeisterter Anhänger des Judenthums zu sein, nicht blos weil es die Einheit Gottes, die Schöpfung ans Nichts, die sittliche Willensfreiheit verkündete, sondern weil es diesen Glauben als Offenbarung lehrte. ״Er bemerkt es nicht bei dieser Befriedigung seiner gewaltsamen Ansprüche, daß er mit dieser Aufstellung eines Glaubens, der der Vernunft widerspricht, mit der Behauptung, daß die Wahrheit derselben gerade durch diesen Widerspruch bezeugt werde, mit der Annahme des Satzes : ich glaube weil es widersinnig (absurdum) gerade den Weg, welchen das Judenthum im Laufe der Jahrhunderte festgehalten, immer entschiedener betreten hatte, vollständig verlassen und in das Lager des Christenthums geistig übergetreten sei." So weit Hr. Dr. Geiger im vierten Heft des letzten Jahrgangs seiner Zeitschrift. Wir können diese Reihe von Aufsätzen über Steinheim nicht schließen, ohne die Diatribe Geigers, welche wahrscheinlich durch unseren ersten Artikel veranlaßt worden ist, mit wenigen Worten zu beleuchten. Wir glauben, jeder Leser, der unseren Auseinandersetzungen bis hierher gefolgt ist, wird ohne Weiteres erkennen, daß hier Anklagen erhoben werden, die ebenso schwer, als grundlos sind. Welche Veranlassung haben wir, dem Dichter der Gesänge des Obadiah, dem wack ern schneidigen Kämpfer für die Emancipati on vorzuwerfeu, er habe höchstens das Judenthum der Vergangenheit, aber nicht das der Gegenwart geliebt? War es nicht der glühende Zorn über die Schmach, die er vor Augen sah, wenn er auch nicht selbst darunter litt, der ihm die flammenden Lieder eingab, der ihm die zündenden Worte lehrte? Litt der vielbeschäftigte Arzt, der bei seinem Beruf Ehre und Reichthum gewann, nicht weniger als irgendwer durch die Zurücksetzung seines Stammes, und wie läßt sich sagen, ״dieser Unwille war ein persönlicher."