Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 22 (1873)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Salomon Ludwig Steinheim
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Salomon Ludw ig Stemheim. 7 Nach den! Heidenthum offenbart Gott sich selbst, wird Körper, wird sichtbare Persönlichkeit; nach dem Judenthnm offenbart er eine Lehre; dort ist sie Theophanie, hier Unterricht über Gott. Kant sagt mit Recht, das Verbot: Dil sollst Dir kein Bildniß von Gott machen, sei das höchste Verbot; denn die am meisten sinnliche Vorstellung sei die durch das Auge vermittelte, am meisten dem Uebcrsinnlichen verwandt die durch das Ohr erzeugte; so müsse die erstere weichen, weil sie unsere Idee von der Gottheit verderbe und verkleinere. Geben diese Sätze, die das System Steiuheim's in seinen wesentlichsten Momenten, besonders aber seine Methode zu zeichneu versucht haben, irgend welchen Anhalt zu der Behauptung, Steinhenu perhorrescire die gesunde Vernunft, er verachte ״den pöbelhaften gesunden Menschenverstand?" Gewiß nicht. Dennoch ist dieser Vorwurf sogleich beim Erscheinen seines ersten größern Werkes ״die Offenbarung nach dem Lehrbegriff der Synagoge" gegen ihn erhoben worden, und obgleich Steiuheim lebhaften Pro" test gegen diese Anklage eingelegt, sie mit gute>r Gründen zurückgewiesen hat, ist sie jüngst wiederholt morden. Wir hatten beim Lesen der Steinheim'schen Diatriben über die induktive Methode oft das Gefühl, daß der Autor einen ziemlich einfachen Gedanken zu oft wiederhole, zu sehr breit trete, daß er zu gedankenschwache Leser voraussetze. Aber wir müssen rrns doch ivöl in einem Irrthuni befunden haben, da ein sonst ganz nüchterner unb wohlbewährter Mann sich mit diesem schlichten Begriff noch immer nicht auseinander gesetzt hat, und wie es denn zuweilen die Art dieses Gelehrten ist, ans einigen nicht genügend festgestellten Thatsachen ganze Geschichtsepochen zu erklären, so versucht er aus seinen! — Jrrthum auf eine höchst originelle, aber natürlich unzulängliche Weise Steiuheim's Charakter, Leben und Lehre zu deduciren. Er sei eine exklusive, aristokratische Natur gewesen, romantisch schillernd, die immer etwas Apartes haben wollte; ihn kränkte, daß ihm, dem Manne geistigen Adels, die erbärmliche Gewöhn-