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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1873-01-01 · Heft 1 · p. Seite 4

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
22 (1873)
Issue
Heft 1
Article
Salomon Ludwig Steinheim
Date
1873-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Salomon Ludwig Steinheim. In Bezug auf die Erklärung des Wetträthsels nun bietet gerade diese Thatsache der Willensfreiheit die vortrefflichste Analogie, uni uns die durch die Offenbarung gebotene Lösung, die uns sonst widersinnig und unannehmbar erschiene, glaubhaft zu machen. Die Frage nach der Entstehung der Welt spotte deshalb jeder vernunftgemäßen Beantwortung, lehrt Steinheim, weil zwei Axiome unseres Denkens, das eine: aus Nichts wird Nichts, das andere: keine Wirkung ohne Ursache, beide uns gleich gewiß, sich gegenseitig widersprechen und aufheben, wenn man sie auf die Entstehung der Welt anwenden will. Das deducirt Steinheim folgendermaßen: das Axiom: aus Nichts wird Nichts führt auf die Ewigkeit der Materie, aber die Materie als Wirkendes uns zu denken, ist nicht möglich; folglich muß die Ursache der Materie etwas anderes sein als diese, also die Materie aus dem Nichts entstanden sein, oder überhaupt nicht existiren. Die beiden Axiome stehen sich feindlich gegenüber. Da kommt die Offenbarung und hilft der rathlosen Vernunft mit dem Satze: Gott hat die Welt aus dem Nichts geschaffen. Wir können nicht annehmen, Gott habe aus einiger Materie die Welt gebildet und eben deswegen nicht eine vollendet gute, so ndern nur die beste Welt aus denen, welche ihm die Beschränkung durch die Materie noch frei ließ, geschaffen; denn dann wäre ja Gott nicht frei, sondern durch den Stoff beregt; aber entweder wir sind frei, und dann ist es unmöglich, den Geist, welcher das Ganze der Welt beherrscht, als unfrei zu denken, oder dieser Geist ist beschränkt durch die Materie, dann müssen wir auch die menschliche Freiheit, die Grundlage der Sittlichkeit fahren lassen, wogegen jedoch unser Bewußtsein protestirt. Die Lehre von der Schöpfung aus Nichts ist unbegreiflich, denn sie widerspricht dein einfachen Gesetze: aus Nichts wird Nichts; aber die Vernunft, die nicht durch eigene Deduktion auf diesen Begriff der Weltschöpfung aus Nichts kommen kann, weil er aus den Denkgesetzen nicht zu folgern ist, ihnen im Gegentheil schnurstracks zuwider ist, muß

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